Mario Basler bei Hart aber fair: „Özil hat eine Körpersprache habe „wie ein toter Frosch“

Nicht, dass wir am Montag vor Frank Plasbergs „Hart aber fair“ zu wenig Fußball im Ersten gesehen hätten. Mehr als zehn Stunden WM gab es von 13 Uhr an, drei Gruppenspiele, Analysen, Kommentare, Ausblicke auf das mit Bangen erwartete zweite deutsche Gruppenspiel am Samstag. Nein, es hatte sich tatsächlich schon vor der Sendung des WDR-Moderators schon genug um den Ball gedreht.

Mal ein ganz neues Thema

Aber was macht man mit so einer „Hart aber fair“-Ausgabe, die WM-bedingt auch noch erst kurz vor Mitternacht um 23.45 Uhr begann? Einfach ausfallen lassen, weil ja sowieso fast alle nur über Fußball sprechen? Mutig ein anderes Thema setzen? Das Gezänk der CSU mit der CDU in Sachen Migration vielleicht? Den Plastikmüll in den Weltmeeren vielleicht? Den Abgas-Skandal, in dessen übel riechendem Zentrum der Aufmerksamkeit sich am Montag der überraschend verhaftete Audi-Chef befand?

Ach was, alles Kinkerlitzchen! Lass' uns..., ja lass' uns doch einfach nochmal ein bisschen über Fußball reden, mit ganz ungewöhnlichen Gästen, hat sich die Plasbergsche Ideenschmiede vielleicht gedacht.

Und also saßen da: Ex-Nationalspieler Mario Basler, Ex-Trainer Christoph Daum, Fußball-Moderator Marcel Reif, Ex-Nationalspielerin Celia Sasic und... und.... und: Julia Neigel. Ach nee, Julia Neigel kniff im letzten Moment, nachdem sie im Internet noch als Gast angekündigt worden war. Der Sängerin, die nichts, aber auch gar nichts mit Fußball zu tun hat, ist im letzten Moment wahrscheinlich genau das eingefallen.

Saftige Zitate

Daum, Basler, Reif. Erwartbar gab es saftige Zitate: Basler knöpft sich Özil vor, der eine Körpersprache habe „wie ein toter Frosch“, Khedira laufe so langsam seit zwei Jahren, dass man ihm dabei die Schuhe besohlen könne.

Zwischendurch outet sich Plasberg: „Ich bin kein Fußball-Experte.“ Ach nee? Echt jetzt?

Plasberg will dann von Daum wissen, wie man satte Spieler motiviert, weil Reif vorher zurecht darauf hingewiesen hat, dass die Weltmeister von 2014 inzwischen vier Jahre älter geworden sind. Das will Daum aber gar nicht sagen. Er mokiert sich über die DFB-Wohlfühloase, die sich um die Spieler entwickelt habe.

Dann, natürlich, wie konnten wir es vergessen? Das Zweikampf-Verhalten. „Kampf ist nicht alles, aber ohne Kampf ist alles nichts“, sagt Daum. Ihm sei schon bewusst, dass das ein Platitüde sei, aber...

Nun beißt sich die Diskussion an dem tatsächlich ja ziemlich jämmerlichen Erscheinungsbild der deutschen Elf vor dem 1:0 der Mexikaner fest. Daum und Reif erklären alles nochmal erschöpfend. Khedira bleibt nach verlorenem Zweikampf liegen, Hummels macht einen Katastrophenfehler, als er kläglich versucht, den Mexikanern den Ball abzunehmen und dann weder den Ball noch den Mexikaner hat. „Aber Herr Basler sehen, Sie das auch so?“, fragt dann Plasberg.

Wie wenig der Nicht-Fußballexperte Plasberg aber von der ausgewiesenen Expertin Celia Sasic zu halten scheint, beziehungsweise von ihrem Fachwissen, zeigt die Tatsache, dass er Frau Sasic in dieser Männer-Fachsimpelrunde immer erst ganz zuletzt einlädt. Die höfliche Celia Sasic grätscht auch nicht von sich aus dazwischen. Aber schließlich darf sie dann immer noch etwas hinzufügen. Männer eben. Und Fußball.

Und dann wieder Reif: „Dieses Spiel hat einen Vorteil. Das war so fürchterlich schlecht, dass du es nicht schönreden kannst.“

Basler arbeitet sich mit zunehmender Dauer an seinem offenbar Lieblingsopfer in der deutschen Elf, Mesut Özil, ab. Sein Kurzpassspiel, das nichts bringt. Seine Körpersprache, seine Beweglichkeit.

Reif arbeitet sich an Jogi Löw ab.

Das schlimme, schlimme Foto

Als man nach 40 Minuten die Hoffnung hatte, dass es wenigstens nur um dieses und die nächsten Spielen gegen würde, ging es via Einspielfilmchen dann doch auch bei Plasberg – wie vergangene Woche schon bei Sandra Maischberger und auch schon und in unzähligen weiteren Talkrunden – um, um, um? Das Gündogan-Özil-Erdogan-Foto. Erster Aufschlag, Entschuldigung Abstoß Daum: „Özil und Gündogan sind sehr sensibel, das streifst du nicht einfach so ab und das wird auch immer wieder ein unterschwellig belastendes Thema in der Nationalmannschaft sein.“ Stimmt. Aber brauchen wir wirklich Christoph Daum bei dem Fußball-Nichtfachmann Plasberg um 0.32 Uhr, um uns das zu erklären? Brauchen wir Daum wirklich für diese Erkenntnis?

Basler und Reif hätten es Özil nie durchgehen lassen, dass er sich dazu nicht öffentlich erklären will. Reif hätte beiden am liebsten eine Abreibung verpasst und analysiert wie gewohnt treffend die Implikationen dieses Fotos auf die Elf, die deutsche Gesellschaft etc. Basler hätte beide Spieler zuhause gelassen und statt dessen Sané mitgenommen. „Das Fass machen wir jetzt nicht mehr auf“, sagt Plasberg da. Ach nee, das Fass jetzt nicht mehr? Aber stimmt ja, Plasberg ist ja auch kein Fußball-Experte.

Auch Sasic, die Integrationsbotschafterin des DFB ist, findet, dass das Foto zum falschen Zeitpunkt kam.

Plasbergs Blutgrätsche

Plasberg versucht dann zum Ende der Sendung mit einer Polit-Blutgrätsche und brachialer Gewalt tatsächlich noch einen Bogen vom Fußball zur gesamtgesellschaftlichen Lage zu schlagen. Der Unionsstreit, der verhaftete Audi-Manager und all das – „Es läuft nicht rund in diesem Land“. Was das denn vielleicht für Implikationen für die weiteren deutschen Spiele habe, will er von Reif wissen. Da kommt der nicht so ganz mit und sagt dann Erwartbares über die Spiele gegen Schweden und Südkorea: Gegen Schweden gehe es ins Bergwerk und gegen Südkorea werde man lernen, dass Fußball ein Kampfsport sei. „Von denen kriegt man nichts geschenkt.“ Wieder so ein Aha-Moment, das dem Zuschauer nur bei Frank Plasberg kredenzt wird.

In den letzten fünf Minuten gleitet die Angelegenheit dann über Stilfragen – Trikot in der Hose oder drüber – und die Schlussfrage – mit wem der Anwesenden die Diskutanten eine Woche im Teamhotel in Watutinki zubringen würden 2 in die totale Belanglosigkeit ab.

Obwohl, musste sie dahin überhaupt noch abgleiten? War das wirklich nötig, war der Sendeplatz so heilig, die Not, etwas Besseres zu finden beim zuständigen WDR so groß, dass diese „Hart aber fair“-Ausgabe, die ihrem Titel Hohn sprach, sein musste? Vielleicht ja. Vielleicht sollte Frank Plasberg Fußball-Experte werden. Das Zeug dazu hätte er.

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