Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa spricht während Eröffnung des Internationalen Literaturfestivals 2020 im Kammermusiksaal der Philharmonie. 
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BerlinRegelrecht erschrocken wirkte Monika Grütters beim Blick in den Kammermusiksaal vor ihr bei der Eröffnung des Internationalen Literaturfestivals Berlin (ilb) am Mittwochabend. Nicht, dass dort das Böse gelauert hätte, aber der Saal war einfach ziemlich leer. Dass es nicht am mangelnden Interesse lag, weiß heutzutage jeder. Das müsse sich ändern, befand die Kulturstaatsministerin denn auch. Die Wiederbelebung des kulturellen Lebens verdiene dieselbe Anstrengung wie sie andere Branchen erfahren. „Kunst ist keine Delikatesse für Gourmets, sondern Brot für alle.“

Natürlich bekommt sie in diesem Rahmen Applaus. Noch mehr geklatscht wurde, als der ilb-Chef Ulrich Schreiber den Hauptredner des Abends ankündigte und ihn frei nach Lermontow einen „Helden unserer Zeit“ nannte. Und warum? Weil Mario Vargas Llosa die Reise nach Berlin auf sich genommen hat. Der aus Peru stammende und in Spanien lebende Literaturnobelpreisträger gehört zu den wenigen berühmten Schriftstellern, die während des Festivals vor Ort sind. Der Ehrendoktor der Humboldt-Universität steht für eine Reihe wichtiger Termine im Programm. Neben der Eröffnung bestreitet er noch am Donnerstag ein Gespräch mit dem deutschen Bundespräsidenten und eine Runde mit anderen Autoren.

Was sind das für Zeiten, in denen man schon gefeiert wird, von einer europäischen Hauptstadt in die nächste gereist zu sein? Mario Vargas Llosa, 84 Jahre alt, der einst ein Linker war und sich schon lange liberal nennt, der als Journalist gearbeitet hatte und sich als Präsident bewarb, hat schon einiges erlebt. Er erinnerte er daran, dass Diktaturen sehr misstrauisch gegenüber Literatur sind. „Wenn wir wollen, dass Bürger keine Zombies sind, sondern kritisch über die Entscheidungen von Autoritäten nachdenken können, müssen wir Literatur frei zugänglich halten. Wenn wir wollen, dass sie ernsthaft reflektieren darüber, was passiert und nicht Verführern folgen, brauchen wir die Literatur.“

Das sind passende Worte für die seit 30 Jahren wiedervereinte Stadt, wo immer wieder Literaten Proteste anführten oder für Verständigung sorgten.