Mark Wahlberg im Gespräch: Vom neuen Film „Alles Geld der Welt“ zur #MeToo-Debatte

Es soll zwar noch immer Menschen geben, die bei der Erwähnung des Namens Mark Wahlberg als erstes an seine jugendliche Pop-Karriere unter dem Namen Marky Mark oder an die legendären Unterhosen-Werbeaufnahmen denken. Doch das ändert nichts daran, dass sich der Bostoner längst als einer der erfolgreichsten und nicht zuletzt fleißigsten Schauspieler unserer Zeit etabliert hat.

Eine derart ungewöhnliche Erfahrung wie die Arbeit an seinem neuen Film „Alles Geld der Welt“ (ab Donnerstag im Kino) hat allerdings selbst er bislang noch nicht gemacht. Grund genug, mal wieder mit dem vierfachen Vater zu sprechen.

Mr. Wahlberg, wie war das, als Ridley Scott Ihnen mitteilte, dass er Kevin Spacey wegen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe der sexueller Belästigung und Nötigung aus „Alles Geld der Welt“ herausschneiden und seine Szenen mit Christopher Plummer noch einmal drehen will?

Als im letzten Herbst die Vorwürfen gegen Kevin die Runde machten, war plötzlich vollkommen unklar, was aus „Alles Geld der Welt“ wird, der ja eigentlich längst fertig war. Verständlicherweise, denn es gab schließlich sehr viel Wichtigeres, um das man sich Sorgen machen musste.

Zunächst einmal musste ein Weg gefunden werden, all denjenigen, die diese schrecklichen Vorwürfe erhoben hatten, also den mutmaßlichen Opfern, Respekt und Sensibilität entgegenzubringen. Doch dann saß eines Tages Ridley Scott vor mir, um mir seine Pläne für eine Umbesetzung zu erklären – denn nur so konnte er den Film retten.

Waren Sie von seinem Plan sofort überzeugt?

Ich konnte ihn gut nachvollziehen, denn natürlich wollte er nicht, dass seine – und unsere – ganze Arbeit umsonst war. Und mir war vollkommen klar, dass die Umbesetzung und das Nachdrehen der einzige Weg waren, wie das gelingen konnte. Doch begeistert war ich trotzdem erst einmal nicht. Auch wenn es sich nur um vier oder fünf Drehtage handelte, musste ich dafür den geplanten Familienurlaub über Thanksgiving absagen.

Hat „Alles Geld der Welt“ letztlich von dem Nachdreh profitiert?

Puh, das muss wahrscheinlich jeder selbst beurteilen. Ich freue mich, dass die Menschen den Film nun zu Gesicht bekommen, aber ich hätte genauso gut verstanden, wenn er vor dem Hintergrund der Vorwürfe gegen Kevin und der #MeToo-Debatte im Giftschrank gelandet wäre. Es gibt im Leben sicherlich wichtigeres als einen solchen Film.

Ich meinte eher qualitativ. Wer hat Jean Paul Getty besser verkörpert, Plummer oder Spacey?

Oh, verstehe. In meinen Augen ist „Alles Geld der Welt“ jetzt weder ein besserer noch ein schlechterer Film als vorher. Natürlich ist er anders, denn unterschiedliche Schauspieler spielen eine Rolle zwangsläufig anders. Aber genauso wie Christopher ein großartiger Schauspieler ist, ist auch Kevin einer. Und übrigens einer, der das Recht auf einen fairen Prozess hat.

Lassen Sie uns noch kurz über das Titel gebende Geld sprechen, immerhin sind Sie laut Forbes der bestverdienende Schauspieler in ganz Hollywood. Was bedeutet Ihnen Geld?

Dass ich meinen vier Kindern die beste Erziehung ermöglichen kann, die man sich vorstellen kann, ist für mich der größte Luxus. Ich würde nie sagen, dass Geld im Leben das wichtigste ist, schließlich weiß ich genau, wie es sich ohne anfühlt. Aber dass weder ich noch die Kinder sich echte Existenzsorgen machen müssen, ist schon was wert. Und genau das war immer mein Ziel: dass ich meiner Familie eine Existenz bieten kann, die meine Eltern uns damals nicht bieten konnten.

Klingt pragmatisch. Aber irgendeinen Luxus gönnen Sie sich doch sicher auch, oder?

Luxus ist für mich, dass ich jederzeit und überall Golf spielen gehen kann.

Erinnern Sie sich noch daran, was Sie sich von Ihrem ersten anständigen Gehalt gekauft haben?

Klar, das war 1991, als ich meine erste CD veröffentlich habe. Ich habe mir ein ziemlich teures deutsches Auto zugelegt, einen Mercedes SL. Der ist heute noch Teil der Familie und in einem Top-Zustand. Hat noch keine 35.000 Meilen runter.

Gleichzeitig gehen mit Reichtum und Ruhm ja auch Gefahren einher, wie nicht zuletzt „Alles Geld der Welt“ zeigt – der Film handelt von der Entführung des US-amerikanischen Milliardär-Enkels John Paul Getty III.

Natürlich macht man sich als Vater immer Sorgen. Aber konkrete Angst vor einer Erfahrung à la Getty habe ich nicht wirklich. Zumal die Zeiten, die wir im Film sehen, als diese ganze Entführungs- und Lösegeld-Nummer quasi ein eigenes Geschäftsmodell war, ja zum Glück vorbei sind. Ich bin eigentlich ganz optimistisch, dass das Schlimmste, was ich zum Schutz meiner Kinder jemals werde tun müssen, das Verjagen eines Idioten ist, der meine Tochter nicht in Ruhe lassen will.

Von den Ängsten abgesehen: was ist das Schwierigste am Papa-Sein?

Es ist alles andere als ein Kinderspiel, die richtige Balance zu finden zwischen streng, fürsorglich und liebevoll sein. Aber am schwierigsten ist es sicherlich, nie die Geduld zu verlieren. Außerdem gebe ich mir große Mühe, für meine Kinder immer ein offenes Ohr zu haben. Aber meine Älteste ist mittlerweile ein Teenager, die beschränkt ihre Kommunikation mit mir sowieso auf ein Minimum.

In dem Alter gab es sicher auch schon längst ein Aufklärungsgespräch, oder?

Klar, aber das habe ich meiner Frau überlassen. So von Frau zu Frau.