Ja, er hat was zu den tagelangen Diskussionen um seine Person gesagt. Und nein, besser ist die Show dadurch auch nicht geworden. Gleich zu Beginn von „Wetten, dass..?“ am Sonnabendabend wünschte er den Zuschauern im Saal in Karlsruhe und vor den Bildschirmen ein gutes neues Jahr und schob die erste Anspielung hinterher: „Auch ich habe mir in diesem Jahr vorgenommen, es ein bisschen gemütlicher angehen zu lassen“, rief er ins Publikum. „Und ich muss sagen: Gerade mit Blick auf die vergangenen Tage ist mir das hervorragend gelungen. Finden Sie nicht?“ Applaus, Applaus.

Im Laufe der unfassbar langatmigen Sendung gab es denn noch den einen und den anderen Nebensatz in eigener Sache. So ließ es sich Lanz auch bei der Präsentation der Stadtwette nicht nehmen, eine Spitze unterzubringen. 100 Menschen sollten in Bauarbeiter-Montur zur Halle kommen und zu „YMCA“ tanzen. „Wenn Sie sagen: Ich bin Karlsruher und mir stinken diese Baustellen, dann machen Sie entweder eine kleine Online-Petition oder kommen Sie einfach hierher zu uns in die Stadt.“

In dieser Woche waren bei einer Petition im Internet für die Absetzung des Moderators mehr als 200 000 Unterschriften gezählt worden. „Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr“, lautete der Aufruf der Entrüsteten, weil Lanz die Linke-Politikerin Sahra Wagenknecht zwar in seine ZDF-Talkshow eingeladen hatte, ihr aber im Gespräch mit vermeintlich scharfen Nachfragen immer wieder ins Wort fiel. Zwar ist dieser Moderationsstil weder besonders höflich noch irgendwie journalistisch, der digitale Raus-aus-Aufruf allerdings auch mehr als überzogen. Immerhin reichte das eine wie das andere für anhaltende Debatten nicht nur im Internet, sondern auch in den sogenannten seriösen Medien.

Die dritte Bemerkung ließ Lanz am Sonnabendabend bei „Wetten, dass..?“ im Gespräch mit dem „Bergdoktor“ Hans Sigl fallen, als der über die Online-Reaktionen seiner Zuschauer auf Facebook und in anderen Netzwerken erzählte. „Da tut sich einiges“, pflichtete ihm Lanz bei. „Das weiß ich.“

Das war dann aber auch schon das Berichtenswerteste der mehr als zweieinhalb Stunden. Aber was will man auch erwarten, wenn die Gäste Atze Schröder und Peter Maffay heißen und die Wetten darin bestehen, auf einem Bein eine Leiter hochzuhüpfen und Glühbirnen einzudrehen? Die beste, wenn auch nicht gewonnene Übung war noch der Flaschenzielwurf in einen handelsüblichen Leergutautomaten. Endlich mal was Praktisches.

Das größte Problem aber ist und bleibt der Moderator. Lanz fehlt jede Distanz zum Gegenstand, bei ihm ist immer alles wahlweise „Wahnsinn“ oder mindestens doch „super“. Und wenn Peter Maffay und Hans Sigl „Über sieben Brücken“ singen, trällert Lanz mit und erweckt dabei den Anschein, als ob ihm das gerade mächtig Spaß macht. Vielleicht tut er auch nur so. Keine Ahnung, was schlimmer ist. Souverän ist jedenfalls beides nicht.

Und so stellt der Moderator der einst größten europäischen Fernsehshow einen Negativrekord nach dem anderen auf. Nur noch 6,31 Millionen Zuschauer haben die Sendung am Sonnabend ab 20.15 Uhr ein. Den bisherigen Tiefpunkt hatte Lanz erst in der letzten Show vor zwei Monaten aufgestellt, die November-Ausgabe kam noch auf 6,55 Millionen Zuschauer.

An den schlechten Quoten vom Sonnabend ist allerdings nicht nur Lanz schuld, sondern auch RTL. Über acht Millionen schalteten ab 22.15 Uhr ins Dschungelcamp, die Suche nach dem Superstar, die RTL parallel zu „Wetten, dass..?“ veranstaltete, wollten fünfeinhalb Millionen Zuschauer sehen.

Bei dieser Leistung und mit diesen Zahlen ist zu befürchten, dass die Diskussionen um Markus Lanz nicht so bald aufhören werden. Ebenso zu befürchten ist, dass Lanz eine andere Wahrnehmung hat und sich wie am Sonnabendabend ein ums andere Mal einredet: Alles gut.

Eben nicht.