Der Berliner Bildhauer Martin Matschinsky (1922-2020).
Foto: akg-images / Brigitte Hellgoth

BerlinBis zum 9. November 1989 war die silbrige Chromnickel-Stahl-Skulptur untrennbar mit West-Berlin verbunden, ein Wahrzeichen geradezu. Die schimmernden Röhrenverschlingungen am Tauentzien, die aussehen wie vertikales Spaghetti-Eis, verkörpern die dazumal brutal geteilte, aber auch einander zustrebende, sich umarmende Frontstadt.

Das Werk des Berliner Bildhauer-Paares Martin und Brigitte Matschinsky-Denninghoff war 1987, zum 750-jährigen Berlin-Jubiläum beim „Skulpturenboulevard“ aufgestellt worden. Andere Skulpturen provozierten und sorgten für Zorn in der Bevölkerung. Diese nicht: Die organisch emporwachsenden Stahlarme zwischen KaDeWe und Gedächtniskirche, leicht und korrosionsresistent, wurden sogleich verstanden und ins Herz geschlossen.

Die Skulptur heißt "Berlin"


Berlin umarmt sich – so wollte es das Bildhauer-Paar Matschinsky-Denninghoff.
Foto: imago/Werner Otto

„Berlin“ heißt die acht Meter hohe, neun Meter breite Skulptur, die rasch so populär wurde, dass die Deutsche Bank sie für die Stadt ankaufte. Sie sollte das berühmteste Werk der beiden werden, das sich von Anbeginn die Aufgabe gestellt hatten, „die Schönheit und Leichtigkeit von Kandinsky und Miró in die Bildhauerei zu überführen“, wie sie es betonten.

Andere Städte wollten   ähnliche Skulpturen, gerade in der Zeit nach dem Mauerfall: Hannover, Kiel, Heidelberg, Saarbrücken, Regensburg, Augsburg hatten Lust auf Kunst im öffentlichen Raum, die derart fassbar ist und positiv stimmt. Vor neun Jahren starb Matschinskys Frau Brigitte; er arbeitete allein weiter, soweit seine Kräfte reichten.

Nun kam aus der Berlinischen Galerie, die das Lebenswerk des Paares betreut – rund 250 Skulpturen, Arbeiten auf Papier und Gemälde – die Nachricht vom Tod des 98-jährigen Bildhauers; er verstarb am 24. Januar in Berlin. Die symbolstarke Umarmung auf dem Mittelstreifen des Tauentziens ist gleichsam wie eine Botschaft an die Stadtgesellschaft.