Berlin - Am Mittwoch hat sich Nico Semsrott, Europaabgeordneter und bis dahin Mitglied der Satirepartei Die Partei, an die Öffentlichkeit gewandt und angekündigt, wegen eines vermeintlich rassistischen Tweets von Martin Sonneborn nach der US-Wahl seine Parteimitgliedschaft aus Protest aufzugeben. Martin Sonneborn hatte ein Foto veröffentlicht, auf dem er in einem T-Shirt zu sehen war mit der Aufschrift „AU WIEDELSEHERN, AMLERIKA! abem Sie Guter FrLug runtel! Printed in China für Die PARTEI“.

Daraufhin reagierte Nico Semsrott mit seiner Ankündigung, aus der Partei Die Partei austreten zu wollen. Er schrieb auf Facebook, dass es viel Kritik auf Sonneborns China-Tweet gegeben und er Sonneborn gebeten habe, die Kritik anzunehmen und seinen China-Witz zu überdenken. Doch Martin Sonneborn habe nicht reagiert. Semsrott schrieb auf Facebook: „Martin Sonneborn ist deutsch, weiß, über 50, hat auf den unterschiedlichen sozialen Plattformen zusammen mehr als eine Million Follower, wird von seinen Fans angehimmelt und gehört zu den oberen 10 Prozent.“ Er sei nicht in der Lage, diese Verantwortung anzunehmen.

Semsrott fügte hinzu: „Weil Die PARTEI in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem das Projekt von Martin Sonneborn ist und ich dafür nicht weiter mein Gesicht hergeben will, habe ich eben mein Austrittsschreiben verschickt. (Das schreckliche Mandat im EU-Parlament werde ich als PARTEI-Loser bis zum bitteren Ende ausführen. Ich könnte das Leid nicht verantworten, das ein*e Nachrücker*in statt meiner ertragen müsste.)“

Am Mittwochabend entschuldigte sich Martin Sonneborn auf Facebook. Er schrieb: „Nach dem Sturm auf das Capitol in Washington habe ich den Entwurf eines T-Shirts veröffentlicht, dessen Zielrichtung es war, die zunehmend gegenstandsloser werdende weltpolitische Überheblichkeit der USA zu karikieren, ihre Forcierung einer wirtschaftlichen Konfrontation mit China, ihre an Widersinnigkeit schwer zu übertreffenden Ideologien & Feindbildkonstruktionen, und vor allem: die wiederholten sinophoben Ausfälle und Polemiken ihres Präsidenten (‚China-Virus!‘). (Der gleichzeitig noch einen Großteil der Merchandise-Artikel für seinen Wahlkampf in China produzieren ließ. ZwinkerSmiley).“

Martin Sonneborn versuchte, seinen Witz zu erklären, und beendete die Nachricht mit einer Entschuldigung: „Bei der Gestaltung dieses Shirts habe ich mich sprachlicher Stereotype bedient und ein billiges Klischee aufgenommen: ‚Au Widelsehern, Amlerika! Habem Sie Guter FrLug runtel! Plinted in China. Fü Die PALTEI.‘ Die Wirkung dieses Shirts habe ich unterschätzt. Ich war so überzeugt davon, dass die Stoßrichtung des Aufdrucks klar ist, dass mir nicht bewusst war, dass sich jemand davon rassistisch diskriminiert fühlen könnte. Wenn ein Witz aber zu rassistischer Verletzung führt, statt Reflexionsanstöße zu geben oder zumindest ein befreiendes Lachen nach sich zu ziehen, dann ist es ein misslungener Witz. Es tut mir leid, dass Menschen durch die Reproduktion dieser Stereotype verletzt wurden. Ich bedanke mich bei Nico Semsrott für die deprimierende Zusammenarbeit und wünsche ihm für die Zukunft viel Erfolg.“