Das knapp sechsminütige Video steht ganz oben in der Hitliste der ZDF-Mediathek, bei Youtube wurde der Beitrag „Sonneborn ist eine Bank“ schon über 300.000 Mal abgerufen. Was ist zu sehen in dem Filmchen, der die Zuschauer der „heute-show“ zu Lachsalven animierte und seither für Diskussionen sorgt?

Martin Sonneborn, ein seit vielen Jahren fernsehbekannter Satiriker und Chef der Spaßpartei „Die Partei“, hatte sich mit einem Mitarbeiter der Deutschen Bank in Frankfurt am Main zu einem seltsamen Interview getroffen. Der Clou: Laut Sonneborn hatte die Bank das Interview vorher komplett selbst verfasst, sowohl die Fragen als auch die Antworten.

Mit verteilten Rollen

Rätselhafterweise lässt sich der Bank-Mitarbeiter von Sonneborn dazu bewegen, dieses Frage-Antwort-Spiel mit verteilten Rollen vor der Kamera nachzuspielen, wobei ihn Sonneborn immer wieder, wie ein nachsichtiger Lehrer, verbessert, wenn die Antworten nicht mit dem Text übereinstimmen, und ihm nebenbei ein paar Gags unterschiebt. So tut er so, als kreise eine Frage um „das Böse“ – doch es geht um die Börse. Die Fragen, die sich die Bank selber stellt und beantwortet, sind betont simpel. Eine lautet etwa: „Was ist eigentlich eine Bank?“ Auf Sonneborns Nachfragen zu Hedgefonds dagegen findet der Banker keine Antwort.

Seither prasselt Häme ein auf die Deutsche Bank und ihren vorgeführten Vertreter namens Stefan Georgi. Dabei handelt sich nicht um einen Praktikanten, sondern um den für das Intervies eigens von Leipzig nach Frankfurt/Main eingeflogenen Stellvertretenden Leiter des Private Bankings Leipzig, zugleich Vorstandsvorsitzender des CDU-Ortsverbandes Leipzig-Mitte.

Die Bank wehrte sich inzwischen: Pressechef Roland Weichert erklärte dem Handelsblatt, dass die Bank vorab nicht mit Martin Sonneborn in Kontakt getreten sei, sondern von einer Produktionsfirma um Mitwirkung zu einem Film gebeten worden sei, der einem jungen Publikum das Bankenwesen erklärt. Dabei habe die Bank der Filmfirma einige Inhalte aus ihrem Projekt „Finanzielle Allgemeinbildung“ geschickt – jene Fragen und Antworten, die Martin Sonneborn als Vorlage dankend annahm.

Im Auftaktfilm der Reihe „Sonneborn rettet die Welt“ lief das seltsame Interview-Spiel schon vor vier Wochen auf ZDFneo – ohne größere Reaktionen hervorzurufen. Erst die Übernahme des leicht gekürzten Interviews in der „heute-show“ machte es zum Hit, wobei das ZDF ein bisschen trickste. Denn dass sich Sonneborn am Empfangstresen der Deutschen Bank als Abgesandter von ZDFneo vorstellte, wurde in der zweiten Version ausgeblendet.

Doch Mitleid mit getäuschten Bankern ist absolut nicht angebracht – den Spott hat sie sich redlich verdient. Denn Martin Sonneborn kam ja nicht etwa mit Maskerade und versteckter Kamera, sondern Sonneborn trat unter seinem Namen auf, zudem hätte der Banker jederzeit aus dem Spiel aussteigen oder es zumindest infrage stellen können. Wie Sonneborn generell arbeitet, das erklärt er selbst in der ZDF-Mediathek in einem Kurzinterview. Seine Methode des „Gonzo-Journalismus“, er nennt es „Gonzo 2.0“, sei tatsächlich „absolut unseriös“, weil er Leute dazu bringe, Dinge zu tun, die sie sonst nicht tun würden. Diese Methode abseits der eingefahrenen Bahnen bringe mitunter mehr Realität zum Vorschein als seriöse Reportagen. Vor drei Jahren hatte Sonneborn einen Pharma-Lobbyisten bloßgestellt, der vor laufender Kamera leichtsinnigerweise darüber sprach, dass deutsche Arzneien eigentlich viel zu teuer seien – dank dieses Eingeständnisses verlor der Mann seinen Job.

Das Bild des Bankers an Schulen

In diesem Sinn ist „Sonneborn ist eine Bank“ bester Gonzo-Journalismus, der nicht nur den vorgeführten Bank-Vertreter veralbert und zeigt, wie erschütternd wenig die Presse- und Marketingabteilung der Deutschen Bank von ihrer jungen Zielgruppe und deren Medienkonsum versteht. Woher das Frage-Antwort-Spiel über das Finanzwesen eigentlich stammt, das hat allerdings auch die „heute show“ seinen Zuschauern nicht verraten – das wäre vielleicht auf Kosten der Lacher gegangen.

Dass nämlich die Deutsche Bank, wie andere Bankinstitute auch, bundesweit über tausend Mitarbeiter bereit hält, um an Schulen ihr Bild vom Bankenwesen zu vermitteln und für sich zu werben, das ist eine Tatsache. Über die lohnt es sich mehr zu diskutieren als über den tollpatschigen Kamera-Auftritt eines überforderten Bankers.