Martin Walser tropft noch das Wasser aus den Augenbrauen, als wir ihn an diesem Wochenende in Überlingen besuchen. Gerade ist er seine vertraute Runde im Bodensee geschwommen. Draußen vor der Haustür radeln die Touristen im Minutentakt vorbei, zumeist auf dem Weg zum nahen Kloster Birnau. Auf dem See, zu dem hin der Garten sanft abfällt, sind die Segler unterwegs. Zuweilen meint man unter den Touristen Klaus Buch zu entdecken, den braun gebrannten Sportstypen aus Walsers Erfolgsnovelle „Ein fliehendes Pferd“. Ja, sagt der Autor, den sehe er hier öfters: „Grüßen Sie ihn von mir!“

Später, in seinem Arbeitszimmer oben unterm Dach, hört man ab und an das Wasser ans Ufer schwappen. Ehefrau Käthe fragt nach den Getränkewünschen, Tochter Johanna erfüllt sie wenig später. Der Autor nimmt Platz auf „dem besten Sofa der Welt“, das allerdings nicht aus dem neuesten Designer-Katalog stammt. Er nutzt es mittlerweile auch für seinen Nachmittagsschlaf. „Das habe ich früher nie gebraucht“, sagt der 85-Jährige, „aber ich muss es hinnehmen.“ Das komme neuerdings anfallartig. Immerhin habe er danach das Gefühl, wieder wirklich arbeitsfähig zu sein. Walser nimmt das Leseexemplar seines neuen Romans „Das dreizehnte Kapitel“ in die Hand. Er wiegt und wendet es und murmelt: „2012“.

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