Die „Supergroup“ ist eine Erfindung der Sechzigerjahre. Managern und Produzenten klang es damals wie Musik in den Ohren, Rockstars aus verschiedenen Gruppen miteinander zu kombinieren. Doch nicht immer entstand daraus die erhoffte Sahne nach dem Vorbild jenes Trios, das sich vollmundig „Cream“ getauft hatte. Entscheidend war meist die spannende Frage: Wie viele Genies kann eine Band ertragen ohne dass sich kreative Energie in dicke Luft verwandelt?

Da hatte es die Comic-Schmiede Marvel einfacher. Als man dort mit der Serie „The Avengers“ („Die Rächer“) einige der größten Stars des Hauses miteinander kombinierte, hörte man von den Zeichenwesen keine Widerworte. Man verbrauchte nicht einmal zusätzliche Tinte, wenn sich Iron Man, Thor, Captain America und selbst der dicke Hulk auf eine Seite quetschten.

Es wird eng auf der Leinwand

Lange hat Marvels Filmabteilung auf die Blockbuster-Version der „Avengers“ hingearbeitet und die liebevoll entstaubten Heroen in opulenten Soloalben präsentiert. Jeder Film hatte seinen eigenen Stil, was zuletzt besonders dem in Europa weniger berühmten Captain America zu Gute kam: Seine mit den leuchtenden Farben amerikanischer Propaganda-Plakate inszenierte Zeitreise aus den Vierzigerjahren in die Gegenwart hätte man sich in Comicform kaum vorstellen können. Allenfalls im satten Kupfertiefdruck seiner Entstehungszeit.

Und jetzt? Es wird eng auf der Leinwand, was nicht nur daran liegt, dass man nicht mehr das breite Scope-Format wählte sondern das Fernseh- (und 3D-)tauglichere 1: 1,85. Man wartet förmlich auf den Moment der Eskalation unter den im Kampf gegen Thors Bruder Loki vereinten Spezialisten. Denn Superhelden haben meist auch Superegos, allen voran der vom letzten Filmabenteuer gut erholte Iron Man (Robert Downey, Jr.). Neben seiner bewährten Mitstreiterin Black Widow (Scarlett Johansson) sind dabei: Der frisch aufgetaute Captain America (Chris Evans), der von einem Entwicklungshilfeauftrag heimgekehrte Dr. Bruce Banner alias Hulk (Mark Ruffalo), der über den Sorgen der menschlichen Existenz stehende Thor (Chris Hemsworth) sowie der aus dem selben Film bekannte Hawkeye (Jeremy Renner). Sie alle wurden vom Superspion Nick Fury (Samuel L. Jackson) zusammengetrommelt, der findet, was der Welt bevorstehe, sei zu viel für einen einzigen Superhelden. Schon das ist natürlich eine Beleidigung, die wenn man so will, das ganze Genre in Frage stellt. Wie oft reichte da doch ein einzelner Strumpfhosenträger aus, um einen ganzen Planeten zu retten?