Massimo Carlotto, einer der umstrittensten politischen Gefangenen aus der radikalen Linken Italiens, hat seit seiner Begnadigung zahlreiche Politthriller und eine zehnteilige Serie um einen umtriebigen Privatdetektiv geschrieben und nun mit „Die Frau am Dienstag“ einen aberwitzigen Kolportageroman vorgelegt, in dem sich die Ereignisse genauso wie die Leichen von Seite zu Seite höher türmen. Der alternde Pornodarsteller Bonamente bekommt dienstags Besuch von Alfonsina, die mit einem Rechtsanwalt zusammenlebt, der seine Familie verlassen hat. Bonamente wohnt in der Pension Lisbona, die von einem klugen alten Transvestiten betrieben wird. Alle haben sie mehr als Dreck am Stecken und die verrücktesten Leben gelebt, und Carlotto dreht genüsslich an der Spirale von Schnüffelei und Mord. Je irrer die Winkelzüge werden, desto klarer wird jedoch sein Kommentar zu einer Gesellschaft, die unter der Oberfläche eines bürgerlich-katholischen Rechtsstaats von einem flexiblen Netz aus Korruption und Heuchelei, aber auch einer Alternativwelt der Eigentlichkeit – echte Liebe, guter Sex, wahre Partnerschaft – beherrscht wird. In ihrer bitteren Sozialkritik sind die italienischen Krimis – von Carlotto, Giancarlo de Cataldo oder Carlo Lucarelli – derzeit unübertroffen.

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