Matias Faldbakken, Jahrgang 1973, war schon ein anerkannter Künstler, als er Anfang des neuen Jahrtausends seine rüde Trilogie zur „Skandinavischen Misanthropie“ verfasste, die er später selbst als „cartoonhafte, dunkle Komödien“ bezeichnet hat. Vor zwei Jahren verblüffte er mit dem fast nostalgischen Restaurant-Roman „The Hills“, der auf einmal gegen alles Laute, Grelle und Bunte anschrieb. Auch „Wir sind fünf“ ist wieder eine Überraschung: Ein Klumpen Ton wird lebendig.

Man hat den neuen Roman mit der jüdischen Legende vom Golem verglichen, einem klobigen, starken Wesen aus Lehm, das notwendige Aufgaben übernehmen kann; Gustav Meyrink hat 1913 einen berühmten Roman über das Thema geschrieben. Aber schließlich erschuf schon Gott den Menschen aus Erde, das steht gleich am Anfang der Bibel. Doch mehr noch erinnert „Wir sind fünf“ an Mary Shelleys weltberühmte Geschichte, in der ein ehrgeiziger Victor Frankenstein eine namenlose Kreatur erschafft, die mordend durch die Gegend zieht. Auch Elemente von Stevensons „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ sind deutlich. Oder man denkt an E.T.A. Hoffmann, Goethes Homunculus im „Faust“ oder Stanislaw Lem, besonders auch an die gallertartigen Wesen des Mythenerfinders Lovecraft. Faldbakken bedient sich reihenweise in der phantastischen Literatur.

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