Der Regisseur Matti Geschonneck in Berlin.
Berliner Zeitung / Markus Wächter

BerlinEs gibt kein Unterleuten in Brandenburg. Die Schriftstellerin Juli Zeh hat sich ein Dorf mit diesem Namen ausgedacht. Aber alles könnte so passiert sein – als sich nach der Wende im Osten die Welt teilt: in Benachteiligte und Gewinner, in Neuankömmlinge und Alteingesessene, Empörte und Verstummte. Das passiert fast überall, aber in einem Dorf mit 200 Anwohnern ist die Verteilung von Stimmungen deutlicher erkennbar.

Im Juli und August 2010 – in der Zeit spielt Juli Zehs Roman – zerbricht das soziale Gefüge in Unterleuten. Der Anlass ist ein geplanter Windpark in der Nähe des Dorfes. Den Landeigentümern kann er viel Geld bringen, bei anderen Bewohnern Wut auslösen, weil ihre vertraute Gegend durch die Windräder – weit über 100 Meter Höhe sind möglich – bis zum Horizont verändert wird. Jeder beharrt auf seiner Meinung. Alle wollen recht haben.

Das Gespräch mit Matti Geschonneck findet in der Küche der Interviewerin statt. Dieser Ort in Berlin-Mitte ist leicht erreichbar und könnte den Regisseur auch bewirten. Der will aber nichts essen und nichts trinken. Der will nur die Fragen beantworten und stellt sogar sein Handy leise. Matti Geschoneck muss in diesen Tagen immerzu irgendwohin. Der Film wirft seinen Schatten voraus.


Aus dem Roman: „Jeder Landbewohner wusste von Anfang an, dass die DDR ein schwachsinniges System darstellte. Die Partei, nach deren Pfeife man plötzlich zu tanzen hatte, war aus den Städten hervorgegangen. Ihr Führungspersonal, in Moskau geschult, verstand wenig vom Landleben und noch weniger von der Land-wirtschaft. Mangelnde Kenntnisse versuchten Ulbricht und Konsorten durch die Anwendung marxistisch-leninistischer Theorien zu kompensieren. Aber die Natur zeigt sich wenig empfänglich für kommunistische Weltbilder. Sie bestand auf ihren eigenen Gesetzen. Über Generationen hinweg hatten die Bauern gelernt, dem sandigen Boden seine Früchte abzuringen. Sie lebten auf dem Land, mit dem Land und für das Land.“


Drei Teile von je 90 Minuten, 75 Drehtage, ein Kernensemble von 20 Figuren, eine Romanvorlage von 635 Seiten. Wie findet eine Herausforderung ihre Form?

Ja, wie verfilmt man einen Roman? Als Serie? Macht man sechsmal 45 Minuten? Oder viermal 60? Wir haben uns für den klassischen Dreiteiler entschieden und waren uns des Problems bewusst: dass die Leute nach dem ersten Teil – hoffentlich – auch den zweiten sehen wollen. Und dann den dritten. Ich lese langsam, und das Buch ist dick. Aber die Geschichte kam zu mir – noch vorher kamen ihre starken Figuren. Als 2016 das Angebot vom ZDF kam, war ich mitten in den Vorbereitungen für einen anderen Film, aber es interessierte mich, und ich dachte sofort an zwei Schauspieler, an Thomas Thieme und Hermann Beyer.  

Das Ensemble der Dorfbewohner aus Unterleuten: u.a Thomas Thieme, Bjarne Mädel und Dagmar Manzel.
ZDF/Mathias Both

Können sich so gute Leute auf längere Zeit freihalten?

Ich bat die beiden, mich unbedingt anzurufen, wenn sie für den Sommer in zwei Jahren ein anderes Angebot bekommen. Haben sie nicht gemacht.

Hatten Sie eine Beziehung zur Brandenburger Landschaft?

Die kannte ich aus vielen Jahren Pionierferienlager.

Wie fängt eine Ortssuche an?

Der Scout fährt los. Wenn er etwas findet, sagt er es dem Szenenbildner, und der sagt es mir. Dann geht man zum ersten Mal in ein ungefähres Gebiet und muss sich ausdenken, wie das Dorf aussehen soll. Westlich von Berlin ist die Gegend ärmer, östlich ist sie lieblicher. Wir fingen im Nordosten hinter Bernau an und drehten an verschiedenen Orten von Ende Juni bis Mitte Oktober 2018.
Am Ende in zehn Dörfern. In Beiersdorf passt die Kneipe, in Freudenberg die Kirche, in Willmersdorf stehen sich die Häuser von Gombrowski und Hilde gegenüber, und ganz woanders, in Bredow, passt es für Krönchen. Auch die Landschaften liegen nicht beieinander.  

Wie entsteht der optische Eindruck eines einzigen Dorfes?

Das ist nur Imagination, eine Behauptung. Bis auf entfernte Silhouetten gibt es keine Totalen des Dorfes – man erzählt diese Einheit durch Schnitte. Bei der Arbeit brauchen wir die Gabe der Vorstellung, und der Zuschauer darf unseren imaginären Ort dann nicht infrage stellen. Wir mussten uns für Zusammenpassendes entscheiden, bis hin zur Autonummer: OPR, für Ostprignitz-Ruppin.


„Elena warf einen zweiten Stein. Unbeeindruckt blieb der Reiher sitzen; er hatte längst begriffen, dass nicht auf ihn gezielt wurde. Elena traf jene Stelle des Dachs, unter der sich Hildes Schlafkammer befand. Sie liebte die Vorstellung, wie Hilde aus dem Schlaf fuhr. Vielleicht lag sie anschließend noch eine Weile zitternd im Bett und zog sich die Decke über den Kopf. Vor lauter Freude schleuderte Elena noch einen dritten Stein.“


Der Film hatte natürliche Risiken wie Wetter und Ernte.

Im Mai war ich auf Motivbesichtigung. In Juli Zehs Buch wuchs Weizen auf den Feldern. Die Produktion hatte schon Straßen neben Feldern optiert. Das Korn stand nur 30 Zentimeter hoch, sozusagen ein Reisfeld. Ich sah es an und fragte einen Bauern: Aber das wird doch im Juli hoch sein? Nein, sagte er, der Weizen ist so niedrig gezüchtet. Die Produktion dachte schon, dass es jetzt in die Ukraine gehen muss und fing an zu rechnen. Unterwegs sahen wir kleinere Roggenfelder und fingen an, unter denen die optisch machbaren zu suchen. Thomas Thieme baute sich an seinem ersten Drehtag zufällig vor so einem Feld auf – ein Bauer und sein Land. Ich sagte: „Thomas, bleib so!“ Da entstand die erste Aufnahme des Films. Und mit dem letzten Bild entlassen wir seine Figur an diesem Feld in den Himmel.

Im Film gibt es, anders als im Roman, keine Vergangenheitsebene. Zum Beispiel das Männertreffen im Wald und der angebliche Mord.

Die Szene stand noch im Drehbuch. Aber sie hat sich immer weiter von mir entfernt. Sie geht jetzt als Legende durch den Film.
Was ist das Schwerste bei der Regie? Wenn ich mich für einen Stoff entscheide, dann versuche ich, den Film so gut zu machen, wie ich kann. Gerade so ein langes Stück soll spannend und unterhaltsam sein. Beides. Klar, das soll jeder Film. Das klingt banal, ist aber das Schwerste. Und natürlich bemühe ich mich, der Vorlage gerecht zu werden. Ich will als Regisseur die Figuren nachvollziehbar machen, ihr Schicksal soll den Zuschauer berühren.


Aus dem Roman: „Sein Verstand hatte sich vom Körper getrennt, stand ein wenig abseits und beschäftigte sich mit einer interessanten Erkenntnis. Er hatte gerade eines der großen Rätsel der Menschheit gelöst, nämlich die Frage, warum es so viel Gewalt auf der Welt gab. Die Antwort lautete: Weil Gewalt verdammt einfach war.“



Was entscheidet die Stimmung am Drehort?

Zunächst bestimmt meine Beziehung zum Kameramann und zu den Hauptdarstellern die Atmosphäre, denke ich. Wenn die nicht stimmig ist, dann merkt es das ganze Team, sofort. Und dass du weißt und vermitteln kannst, was du erzählen willst. Respekt gegenüber den Mitarbeitern – wenn du ihnen und den Schauspielern das Gefühl geben kannst, dass du es mit deiner Arbeit und mit ihnen ernst meinst – das entscheidet dann die Stimmung. Und das Catering! Dreharbeiten sind schon ein empfindlicher Vorgang. Manchmal denke ich, die Szene schaffst du nie. Und plötzlich geht es wie von selbst. Und scheinbar leichte Szenen werden plötzlich zum unlösbaren Problem. Du weißt nicht weiter und versuchst, durch Vereinfachung über die Runden zu kommen. Oder du greifst eine Idee deiner Leute auf, als wäre sie deine eigene. Solche Unsicherheiten kannst du entweder zugeben, oder du verschweigst sie und arbeitest einfach weiter.

Und? Was machen Sie?

Ich neige zu beidem.

War etwas leicht bei dieser Arbeit?

Die Besetzung. Ich glaube, das kam durch die Figuren, die die Stärke des Romans sind. Für die Frauen, die stehen ja keineswegs in der zweiten Reihe, waren Dagmar Manzel und Christine Schorn gleich dabei. Die Besetzung von Charly Hübner passierte so: Wir sitzen bei einem Filmfest im Hotel und frühstücken. Rücken an Rücken. Erst beim Aufstehen erkennen wir uns. Er: „Und?“ Ich: „Schaller?“ Er: „Klar!“ Es war nicht so geplant, aber bis auf Bjarne Mädel kamen alle Ostdarsteller aus dem Osten. Und die Zugezogenen im Dorf waren Schauspieler aus dem Westen. Eine schwierige Rolle war die der Linda Franzen, aber da fand ich Miriam Stein. Die Schauspieler sagten sehr schnell zu und kamen gerne zum Drehen, hatte ich den Eindruck. Wissen Sie, ich mochte sowieso alle!


Aus dem Roman: „Linda war sich sicher, dass der Vogelschützer in seinem früheren Leben viel Zeit damit verbracht hatte, in Berliner Kneipen über Klimaerwärmung, Ölkrisen und die unbedingt notwendige Energiewende zu dozieren. Mit Sicherheit wählte er die Grünen. Vor der Tür stand ein Kleinwagen, der sich dafür schämte, dass Elektroautos noch in der Entwicklung waren.“


Der mächtigste Mann in Unterleuten: Thomas Thieme als Rudolf Gombrowski, Chef der Ökologica, des größten Arbeitgebers im Dorf. 
Zdf/Stefan erhard

Machen Sie bitte eine typische Handbewegung.

Was?

Ulrich Noethen hat Ihre typische Handbewegung beschrieben.

Wie soll die denn sein?

Sie drücken, sagte er, beide Handflächen langsam nach unten. Das heißt: Weniger. Noch weniger.

Christine Schorn sagt, dass ich meine Hände vor der Brust zusammenschiebe. Ich merke das nicht, aber ich will dann wohl um „etwas schlanker, weniger Aufwand“ bitten.

Ich glaube, dass diese Bewegungen Regieanweisungen sind, die vielleicht sogar Ihren Stil erklären – oft erzählen Sie in den Geschichten eine Ruhe vor dem Sturm. Haben Sie vor dem Drehen einen ungefähren Film im Kopf?

Nein. Vielleicht eine atmosphärische Ahnung. Vielleicht auch einzelne Bilder. Vielleicht auch eine Musik. Bei mir entsteht der Film tatsächlich erst beim Drehen. Ein Bild bedingt das andere, fordert das nächste heraus. Ich habe ja oft mit Schauspielern zu tun, die ich kenne. Ich weiß, was die können. Wie die Schorn im offenen Fenster auf dem Kissen lehnt. Dann ihr Blick ... Wie die zierliche Betty, Sarina Radomski, dem Koloss Gombrowski eine Kraft entgegenstellt, die nicht aus der Körperstärke kommt. Wie vieldeutig der Noethen Schallers Hoftür mit dem Fuß aufschiebt. Wie der Beyer das Baby im Arm hält. Das sind persönliche Glücksmomente für den Regisseur.


Aus dem Roman: „Den meisten Menschen fiel es schwer zu akzeptieren, dass das Leben eine Mischung aus alltäglicher Langeweile und sinnlosen Tragödien war. Sie vermuteten hinter jedem Ereignis das planvolle Wirken einer übergeordneten Macht.“


Das Drehbuch von Magnus Vattrodt ist, nach meiner Meinung, der Intelligenz und Wucht des Romans ebenbürtig. Wie frei, wie unbeeinflusst von Ihnen schreibt dieser Autor seine Sicht der Geschichte?

Natürlich schreibt der Drehbuchautor seine Geschichte, und natürlich sprechen wir uns ab. „Unterleuten – das zerrissene Dorf“ ist nicht unser erster gemeinsamer Film. Uns verbindet die Liebe zu diesen vielschichtigen Figuren. Unsere Kommunikation kann man als ernsthaft ironisch beschreiben, und wieder ist da der Respekt vor der Arbeit des anderen. Es gibt kein Richtig und kein Falsch, und das Drehbuch wird dann zu meinem Verbündeten. Aber ich will offen sein für das Unvorhergesehene. Das betrifft den gesamten Arbeitsprozess.


Der Regisseur 

  • Matti Geschonneck, Jahrgang 1952, geboren in Potsdam, ist einer der erfolgreichsten deutschen  Regisseure.
    Vor allem arbeitete er für das  Fernsehen wie zum Beispiel mit „Matulla und Busch“ (1995),  „Die Nachrichten“ (2005),  „Das Ende einer Nacht“, 2012), „Tod einer Polizistin“ (2013),  „Das Zeugenhaus“ (2014), „Ein großer Aufbruch“ (2015), „Südstadt“ (2018). Er drehte auch Spielfilme –  „Boxhagener Platz“ (2010), „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ (2017) und schrieb Drehbücher. Matti Geschonneck erhielt mehrfach den Grimme-Preis, den Deutschen Fernsehpreis, die Goldene Kamera und andere Auszeichnungen.  Er lebt in Berlin.

Der Drehbuchautor

  • Magnus Vattrodt, Jahrgang 1972, geboren in Karlsruhe, schrieb Fernsehfilme wie zum Beispiel „Der Novembermann“ (2007), „Liebesjahre“ (2011), „Das Ende einer Nacht“ (2012), „Südstadt“ (2018) und war auch als Autor von „Tatort“-Folgen sehr erfolgreich wie mit „Tempelräuber“ (2009), „Herrenabend“ (2011), „Der traurige König“ (2012). Er erhielt mehrfach den Grimme-Preis und andere Auszeichnungen. Er lebt in Köln.

Die Buchautorin

  • Juli Zeh, Jahrgang 1974, geboren in Bonn, studierte Jura mit Studienschwerpunkt Völkerrecht in Passau, Krakau, New York und Leipzig. Ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig schloss sie 2002 ab. Sie schrieb Romane wie zum Beispiel „Adler und Engel“ (2001), „Spieltrieb“ (2004), „Nullzeit“ (2012), „Unterleuten“, (2016), „Leere Herzen“ (2017), „Neujahr“ (2018) und Kurzgeschichten, Kinderbücher, Sachbücher, Essays. Zuletzt erschien „Gebrauchsanweisung für Pferde“. „Unterleuten“ erschien im März 2016 und gehörte 78 Wochen zu den meistverkauften Büchern. Juli Zeh erhielt unter anderem den Ernst-Toller-Preis, den Solothurner Literaturpreis, den Thomas-Mann-Preis, den Heinrich-Böll-Preis. Sie lebt in Barnewitz, einem Dorf im Havelland in Brandenburg.

Sie halten auch anderen Mitarbeitern im Team die Treue – wie dem Kameramann Theo Bierkens, der Kostümbildnerin Anneke Troost, dem Szenenbildner Bernd Lepel, den Maskenbildnerinnen Grit Kosse und Uta Spikermann, der Schnittmeisterin Eva Schnare. Und den meisten Ihrer Schauspieler.

Und nicht zu vergessen auch meiner Casterin Simone Bär.

Worin besteht eigentlich die Macht des Castings? Bestimmt über eine Besetzung nicht vielmehr die Produktion oder die Regie? Wie war es bei „Unterleuten – das zerrissene Dorf“?

In diesem Fall hatte ich tatsächlich die meisten Schauspieler selbst vorgeschlagen. Aber den Dialog mit der Casterin darf man nicht unterschätzen, gerade auf diesem empfindlichen Terrain, auch noch während der Dreharbeiten. Am Anfang stehen der Produzent, die Produzentin und der Autor, die Autorin. Dann holst du Kamera und Szenenbild dazu. Parallel wird die Casterin eine wichtige Partnerin. Sie macht mir Vorschläge, berät. Vertrauen spielt eine Rolle.

Können Sie sich immer durchsetzen?

Wenn ich eine, nach meiner Meinung, wesentliche, für den Film notwendige Besetzung nicht durchsetzen könnte, dann müsste ich gehen. Aber so eine Situation hatte ich noch nicht.        


Aus dem Roman: „Die Welt wurde in Städten erfunden, verwaltet, regiert und dekoriert. Also sollten die Irren mit ihrem Irrsinn auch in den Städten bleiben. Kein Schwein interessierte sich für Unterleuten, wenn es darum ging, Breitbandkabel zu verlegen, verarmte Rentner zu unterstützen oder eine Arztpraxis zu eröffnen. Dann sollten sie gefälligst auch ihre Windräder im Berliner Tiergarten errichten.“   



Spüren Sie es, wenn Sie fertig sind? Wenn Sie beim Drehen nichts mehr wiederholen oder verändern wollen?

Die Drehzeit ist äußerst knapp bemessen, und ich muss wissen, was ich später sehen will. Ich muss entscheiden, ständig, sonst komme ich zu keinem Schluss, dann die Zweifel, die schlaflosen Nächte.

Der Film ist abgedreht. Was ermöglicht der Schneideraum?    

Auch die Chance, durch Umstellungen die Geschichte noch spannender zu erzählen und trotzdem bei ihr zu bleiben. Aber auch später reingehen in eine Szene, früher rausgehen, Blicke kürzen, verlängern, Nuancen. Irgendwann dann: Ja, so könnte man mit der Geschichte mitgehen.

Und dann?

Dann kommt die Musik. Ein heikles Thema. Das ist noch einmal eine neue Arbeitssituation. Musik bewirkt viel, sie hilft, manipuliert, kann vorantreiben, zerstören, verstören. Jeder hat seine eigene Empfindung. Jeder hat eine Meinung.

Sehen Sie alle Mitarbeiter noch einmal?

Beim Abschlussfest. Beim Drehen sind einige in Vergessenheit geraten, auch wenn sie anfangs eine wichtige Rolle spielten. Der Scout ist vergessen, und bei der Feier erkennt ihn kaum einer. Das passiert auch der Cutterin, mit der nur ich ab jetzt lange zusammenarbeiten werde. Auch der Autor empfindet sich zunächst als ein Gast im Raum, muss sich des Öfteren vorstellen. Und dann gibt es noch den Komponisten, wenn er überhaupt kommt. In der Reihenfolge der Arbeit ist er der Letzte. Auch ihn habe bisher nur ich getroffen. Die alle und die Schauspieler sind hier, weil ich mich für sie entschieden habe. Und ich habe keine Ahnung, ob ihnen unser Film dann gefallen wird.

Wie gefiel er der Autorin?

Sie kam auf mich zu und umarmte mich wie eine Landfrau.

Wie umarmt eine Landfrau?

Mit Kraft. Das war gut.

 „Der Sommer ging zu Ende, und die Menschen erzählten sich Geschichten über das, was geschehen war. Und ihre Geschichten legten sich übereinander wie Gesteinsschichten und was geschehen war, geriet darunter zusehends in Vergessenheit. Und jeder erzählte seine eigene Geschichte. Und jeder glaubte sich im Recht. Und jeder hatte seine Gründe.“

Das sind die letzten Worte im Film. 


„Unterleuten. Das zerrissene Dorf“, läuft am 9., am 11. und am 12. März 2020 jeweils um 20.15 Uhr im ZDF. Ab 2. März sind alle Teile in der ZDF- Mediathek zu sehen.