Nun, den einen oder die eine zu finden – wenn man danach streben sollte –, ist eigentlich schon schwer genug. Im Reality-Universum, das sich ja eigentlich nur sehr selten mit der eigentlichen Realität beschäftigt, gibt es vielleicht auch deshalb unzählige Dating-Shows. Netflix zeigt jetzt aber endlich mal eine, die das Herz wirklich berührt.

In der Dating-Show-Welt folgte „Die Bachelorette“ auf den „Bachelor“, darauf das LGBTQ+-sensible „Prince Charming“, von dem es mittlerweile auch schon wieder einen Ableger gibt. Bei „Princess Charming“ suchen deshalb Frauen nach der einen. Wer im sogenannten Trash-TV zu Hause ist, wird bei „Love Island“, „Are you the One“ oder „Temptation Island“ glücklicher – auf irgendeiner Insel suchen Möchtegern-bald-Promis auf jeden Fall immer nach dem kleinen Flirt, der sie zwei Sendungen weiter direkt ins Dschungelcamp katapultiert.

Bei Netflix taucht das Publikum aber in eine ganz andere, eher unbekannte Dating-Welt ein. „Love on the Spectrum“ zeigt autistische Erwachsene, die die Liebe suchen. Ursprünglich aus Australien ist jetzt die US-Variante mit einer ersten Staffel direkt beim Streaming-Dienst gestartet.

Die Sendung beweist: Das Spektrum ist bei diversen Menschen ziemlich groß, die Hoffnung auf Liebe aber ebenso. Kein Unterschied also zu neurotypischen Singles. Am größten ist die Hoffnung wohl bei Abbey, einer Mittzwanzigerin aus Los Angeles. Neben Disney-Prinzessinnen liebt sie vor allem ihren leicht übergewichtigen Hund Clementine und Zootiere, vor allem Löwen.

Im Dating-Spiel gematcht wird sie mit dem nur wenig älteren David, der ähnlich enthusiastisch wie sie im Zoo herumspaziert, ihr zu jedem Date ein Geschenk mitbringt und von einer gemeinsamen Reise nach Afrika träumt: Löwen gucken, nur eben „in echt“. Spätestens als Abbey am Ende eines Dates zu ihm sagt: „Du bist mein Löwe und ich bin deine Löwin“, fliegen ihnen die Herzen des Publikums zu. Doch sind sie am Ende der sechsteiligen Staffel noch zusammen?

Tipp der Beziehungsberaterin: „Stell Fragen, rede nicht nur über dich“

Netflix beweist mit „Love on the Spectrum“, dass es beim Verliebtsein vor allem auf diese eine Verbindung ankommt. Und die können auch neurodiverse Personen, mit ein bisschen Hilfe, aufbauen. Oft wird dem neurotypischen Publikum erst bei den Szenen mit der Beziehungshelferin der Sendung klar, wie schwer es für Menschen auf dem Spektrum sein muss, emotionale oder soziale Signale des Gegenübers einzuschätzen. Den Tipp „Stell auch Fragen und rede nicht nur über das, was dich interessiert“, könnten allerdings auch Menschen ohne Autismus-Diagnose beherzigen.

Marcus Padovani
Manus & Maxis Mattscheibe

Unsere neue Kolumne widmet sich den blühenden Fernsehlandschaften von RTL und Co.: Was wird am Lagerfeuer im Dschungelcamp diskutiert? Warum wohnen im „Sommerhaus der Stars“ nur unbekannte Leute? Und wann bekommt Kader Loth eigentlich endlich ihr eigenes Polit-Talk-Format? Im Wechsel besprechen unsere Autorin und unser Autor alles, was in der Trash-Szene gerade gut und wichtig ist.

Diese Woche schreibt Maxi, die als Kind in die britische Monarchie einheiraten wollte, später aber doch überzeugte Republikanerin wurde. Die üppig-feudalen Eheschließungen guckt sie heute schambefreit in Live-Übertragungen. Daneben auch haufenweise andere (vermeintliche) Trash-Formate.

Das alles zeigt Netflix aber nicht durch die voyeuristische Linse, sondern begleitet die Singles sensibel, gibt dem Publikum so Einblicke in Welten, die – leider – oft zu verborgen sind. Sicher, man könnte kritisieren, dass Netflix seine Liebeshungrigen fast ausschließlich ebenfalls mit neurodiversen Menschen auf Dates schickt und so der Eindruck entsteht, dass neurodivers und neurotypisch so richtig eben doch nicht zusammenpassen. Oder dass manche Dating-Tipps unangenehm stereotyp sind: Muss der Mann im Restaurant wirklich immer den Stuhl der Angebeteten hin- und herschieben, die Rechnung übernehmen?

Dann denkt man aber wieder an Michael aus dem australischen Original, der in jeder einzelnen Szene einfach hinreißend war. Seine perfekte Frau beschrieb er als „50/50 schön“, konkret also „schön, aber nicht Supermodel-schön“.  Auch wolle er kein Bodyguard sein, und schon gar kein Sugardaddy. Aber wenn er sie erst einmal gefunden hat, die eine, dann hat er schon den perfekten Verlobungsring. Der ist geformt wie eine Krone, denn sie – die eine – wird „meine Königin sein“. Und schöner kann man den eigentlichen Sinn der monogamen Liebessuche doch nicht beschreiben.