Der letzte Prominente, der seine Alzheimer-Erkrankung öffentlich gemacht hat, ist Rudi Assauer. Und diesmal scheinen sich die Medien, allen voran das ZDF, vorgenommen zu haben, das Thema nicht so schnell wieder fallen zu lassen. Da muss auch Maybrit Illner mitmachen.

Im „Heute Journal“, in „Volle Kanne“, „Hallo Deutschland“ und vielen anderen Sendungen wurde über Assauers Erkrankung berichtet. Die Doku-Reihe „37-Grad“ begleitete den ehemaligen Fußballmanager ein Jahr lang. Daraus entstand die halbstündige Dokumentation „Ich will mich nicht vergessen“, die das ZDF am Dienstagabend ausstrahlte. Gleich danach wurde bei „Markus Lanz“ über Alzheimer gesprochen, unter anderem mit dem Sportreporter Werner Hansch, einem langjährigen Freund von Assauer.

Angst vorm Vergessen

Werner Hansch war nun auch zu Gast bei „Maybrit Illner“ am Donnerstagabend. Thema der Sendung: „Angst vorm Vergessen, wie leben mit Alzheimer?“ Es gab viele Fragen in dieser Sendung. Dass sich daraus keine richtige Diskussion mit unterschiedlichen Standpunkten entspinnen würde, war von Anfang an klar. Und darum geht es bei solch einem Thema ja auch nicht.

Es geht darum, überhaupt darüber zu sprechen, darum, die Krankheit rechtzeitig zu erkennen und darum, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. Erst dann könnten auch gesundheitspolitische Maßnahmen ergriffen werden, so die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer. „Wenn wir jetzt ankündigen, die Beiträge für die Pflegeversicherung erhöhen zu wollen, würden wir nicht mehr gewählt werden“, sagte die einzige Politikerin in der Runde.

Neben dem Assauer-Freund Werner Hansch waren noch zwei weitere von der Krankheit indirekt Betroffene zu Gast: Tilmann Jens, der ein Buch über seinen dementen Vater Walter Jens geschrieben hat und Erika Weber, die sich seit vielen Jahren um ihren alzheimerkranken Mann kümmert. Dazu gab es drei Mediziner: Prof. Matthias Endres von der Berliner Charité wurde im Publikum befragte und durfte sich mühen, die neurologischen Aspekte einer Krankheit zu erklären, deren Ursachen noch immer unklar sind. Dr. Marianne Koch und Dr. Werner Bartens, Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, saßen als Experten mit in der Talkrunde.

Kontroverse

Und mit Bartens gab es doch noch eine kleine Kontroverse. Er tat, was er in den vielen Talkshows, die er regelmäßig besucht, gerne tut: er relativierte. Es gebe Mediziner, die in Frage stellen, dass Alzheimer überhaupt eine Krankheit sei. Bei einer immer älter werdenden Gesellschaft gehören Abnutzungserscheinungen wie nachlassende Gehirnleistungen nun mal dazu, unsere Gesellschaft, die sich hauptsächlich über Intellekt definiere, komme damit aber nicht klar.

So würden alle Erscheinungen pathologisiert, die mit dem Älterwerden zu tun haben und man klammere sich an das Idealbild vom ewig fitten Rentner. Bartens fand also das ganze Thema überbewertet und zeigte sich genervt vom „Assauer-Hype“. Das waren im Kern interessante Überlegungen, doch in einer Sendung, die danach fragt, wie man mit Alzheimer leben kann und in der drei Betroffene sitzen, führten sie nicht weiter.

Am Ende gab Bartens immerhin noch Tipps, wie man Demenz vorbeugen oder zumindest hinauszögern kann: Stress vermeiden und genug schlafen.