Berlin - Unsicher im Umgang mit der Öffentlichkeit und mädchenhaft wirkt Karola Wille. Seit Dienstag ist die 52-Jährige Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Das Haus, das Udo Reiter ihr hinterlässt, ist alles andere als besenrein. Es gilt, Skandale aufzuklären. Wenn es ums Programm geht, hält sich Wille bedeckt. Jenseits der Ankündigung, Regionalem mehr Sendeplatz und jüngeren Zielgruppen mehr Angebote zu verschaffen, bleibt sie vage. Was sie ändern will, ist der Führungsstil. Und dann erzählt sie von einem Buch, das sie zur Vorbereitung auf ihre neue Position beeindruckend fand: „Die Zeit der Helden ist vorbei“ lautet der Titel. Es versteht sich als „Anleitung für ein postheroisches Management“.

Frau Wille, in Ihrer Bewerbung um den Intendantenposten haben Sie sich sehr distanziert über den MDR geäußert. Gleichzeitig haben Sie ihn als Ihre „Heimat“, Ihren „Lebensinhalt“ bezeichnet. Wie passt das zusammen?

Eine sehr kritische Distanz? Diese Wahrnehmung teile ich nicht. Am Dienstag war nicht nur mein erster Tag als Intendantin, sondern mein 20-jähriges Dienstjubiläum beim MDR. Ich habe diesen Sender mit aufgebaut. Er ist für mich auch ein Stück berufliche Heimat. Gleichzeitig ist es richtig, dass es Dinge gibt, die es zu verändern gilt.

Immer neue Skandale treten beim MDR zutage. Ihr Vorgänger Udo Reiter hat nun gesagt, Sie hätten in der Vergangenheit warnend Ihre Stimme erhoben. Wann etwa?

Als juristische Direktorin hatte ich gegenüber Herrn Reiter eine beratende Aufgabe in rechtlichen Fragen, keine kontrollierende Funktion. Es gab unterschiedliche Auffassungen, etwa bei der Frage des Personalmanagements oder einer Beschaffungsordnung für das Programm. Dass Herr Reiter dann bewusst gegen meine Empfehlungen gehandelt oder gegen Regelungen verstoßen hätte, ist mir nicht bekannt.

Sie konnten sich nicht durchsetzen, sagte Reiter. Jetzt trauen Sie sich das zu?

Es gilt das Intendantenprinzip.