Berlin - Sie wollen informiert werden, möglichst sachlich und neutral, frei von unterhaltsamem Beiwerk, unabhängig von Interessengruppen, ohne vorgekaute Meinung. Sie wollen aber auch Rat und Hilfe, um die Nachrichtenflut zu filtern, um Neuigkeiten richtig einzuordnen, um sinnvolle Konsequenzen aus dem Weltgeschehen abzuleiten.

Sie wollen das alles jederzeit und überall, digital  und kostenlos. Die eierlegende Wollmilchsau umsonst, sozusagen. Für Medienhäuser und Zeitungsverlage stellen die Erwartungen und Ansprüche junger Menschen wahrlich eine Herausforderung dar.

Smartphone spielt überragende Rolle

Dass 15- bis 35-Jährige, die der Generation der „Millennials“ zugerechnet werden, kaum mehr Tageszeitungen und Nachrichtenmagazine in die Hand nehmen, ist durch Umfragen und Studien sattsam belegt.  Junge Leute nutzen stattdessen Google, Facebook, YouTube und Co., um sich über Neues aus Nah und Fern zu informieren und auszutauschen.

Dabei spielt das Smart-Phone eine überragende Rolle. Der Hamburger Kommunikationswissenschaftler Stephan Weichert spricht vom Smartphone als „Fernbedienung für das Leben“, die als Medium für Kommunikation, Information und Unterhaltung aus dem Alltag der Millennials nicht mehr wegzudenken ist.  Hat traditioneller Journalismus, haben sorgfältig recherchierte Berichte in diesem Kontext noch eine Zukunft?

Auf der Suche nach Antworten haben Weichert und der Bremer Medienforscher Leif Kramp im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) Gespräche mit Bloggern, Nutzern und Experten geführt, Diskussionsrunden für und mit Millennials organisiert, Chefredakteure von Tageszeitungen interviewt und andere Studien ausgewertet. Herausgekommen ist  eine Untersuchung, die nicht mit Prozentzahlen und Grafiken arbeitet, sondern nach Einstellungen, Grundhaltungen und Motiven fragt. 

Verlage sollten junge Leute einstellen

Und die, wie eingangs angedeutet, zu teils widersprüchlichen Ergebnissen gelangt: Einerseits wünschen sich Millennials eine klare Trennung von Information, Unterhaltung und Meinung. Andererseits sind  die Einordnung der Nachrichten und das Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten gefragt. Einerseits tummelt man sich von früh bis spät  auf Facebook und YouTube.  Andererseits legt man großen Wert auf Transparenz, Wahrhaftigkeit, Relevanz  und Seriosität der Nachrichten, was im Kosmos von Twitter und Co. gerade nicht die zentrale Rolle spielt.

Ein einfaches Rezept für Verlage, wie sie Bedürfnisse der Millennials befriedigen und dabei Geld verdienen könnten, bietet die Untersuchung nicht. Eines aber ist nach Weicherts Ansicht klar: „Das Bedürfnis nach seriöser Information erfüllen soziale  Netzwerke kaum. Diese Leerstelle müssen Verlage nutzen, sie sollten mit Millennials für Millennials neue Formate entwickeln und junge Leute einstellen, kurz: Sie müssen investieren. Andernfalls schaufeln sie sich ihr eigenes Grab.“