2019 war ihr Jahr: Die damals 24-jährige Texanerin Megan Pete alias Megan Thee Stallion katapultiert sich im April mit dem Rap-Stück „Big Ole Freak“ in die US-Charts, die Single „Hot Girl Summer“ schafft es kurz drauf auch im Vereinigten Königreich in die Hitparade. Der Erfolg sichert ihr – neben zwei Frauen, neun Männern – einen Platz in der Freshman Class, der einflussreichen Newcomer-Auswahl eines Rapmediums. Ein Jahr später ist ihr der BET-Award als „Hip Hop Artist of the Year“ gewiss. Zuvor hatte sie mit der New Yorker Rapperin Cardi B einen Rekord aufgestellt: Kein Song schaffte es schneller an die Spitze der US-Streaming-Charts als ihr gemeinsamer Hit „WAP“. Mit „Good News“ ist jetzt ihr erstes Studioalbum erschienen. Und eins ist klar: Es macht verdammt gute Laune.

Megan Thee Stallion schließt sich mit ihrem Stil in die Riege etablierter Kolleginnen wie Nicki Minaj und Cardi B ein. Sie alle verhandeln Sexualität so, wie man es von Rappern gewohnt ist, und führen damit das Erbe provokativer Vorreiterinnen wie Lil Kim, Foxy Brown und Missy Elliott fort. Wie sehr die Welt heute noch mit diesem selbstbewussten Frauenbild hadert, ließ sich anhand der Reaktionen auf „WAP“ beobachten: Die Rapperinnen zählen darin unter anderem ihre Lieblingsstellungen auf und eine tiefe Männerstimme wiederholt „es sind Huren im Haus“. Während konservative Politiker in den USA die gottlose Verunreinigung ihrer Gehörgänge beklagten und Celebrities von Olli Schulz bis Russell Brand das feministisch-ermächtigende Potenzial solcher Selbstdarstellung anzweifelten, ahmten User auf Tiktok ihren Song freudig nach.

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