Berlin - Das Haus der Statistik am Alexanderplatz ist eigentlich eine Rohbau-Ruine, die letztlich ja auch von der jahrzehntelang intensiv gepflegten Missachtung des Modernismus der Nachkriegszeit erzählt. Ausgerechnet hier wird nun eine Ausstellung gezeigt, die gerade die Schönheit solcher Architekturen betont. Unter verrotteten Deckenlamellen und hinter orangenen Fenstern mit Sprüngen im Glas blitzen hochidealisierte Schwarz-Weiß-Fotos, dazu erlesene Holzmodelle etwa des Palastes der Republik, der West-Berliner Kongresshalle, von Villen, Stadttheatern und Museen. Sie idealisieren selbst den simpelsten Plattenbau zur hohen Kunst, groben Sichtbeton zum sanft anfassbaren Material und gigantische Wohngebirge zur freundlichen Hügellandschaft.

Die Architektur in der DDR und in der alten Bundesrepublik von 1949 bis 1989 ist das Thema dieser Wanderausstellung des IFA, des Stuttgarter Instituts für Auslandsbeziehungen. Seit 2004 reiste sie um die Welt, die Kuratoren erzählen, wie interessiert man etwa in China war zu hören, dass auch DDR-Architektur bewahrt werden soll. 2017 wurde das Projekt eingemottet, nun aber noch einmal aus gewaltigen zwei Holzkisten befreit. Die Ausstellung gehört nämlich zur Kampagne von diversen Bürgervereinen, des Landesdenkmalamts und neuerdings auch des Senats, die einstige Stalinallee – 1961 im Rahmen der zögerlichen Entstalinisierung der SED zur Karl-Marx-Allee umbenannt – und das Hansaviertel auf die Liste des Welterbes der Unesco zu hieven. Und zwar vornehmlich als Beiträge zur internationalen Debatte um architektonische Formfindung und Wohnungsbaureform, nicht so sehr als gebauten Teil des Kalten Kriegs.

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