Julian Looman genießt die Dreharbeiten in Englisch: „Weil’s nicht die eigene Sprache ist, denke ich auch nicht so viel drüber nach.“
Foto: ZDF

BerlinDass ein österreichischer Schauspieler von englischen Fans auf der Straße angesprochen wird, kommt nicht alle Tage vor. Doch genauso erging es zuletzt Julian Looman, den das hiesige Publikum aus Serien wie „Der Pass“ oder „Marie fängt Feuer“ oder dem Kinofilm „Nightlife“ kennt. Seit der Sohn eines Holländers und einer Österreicherin die männliche Hauptrolle in der Serie „The Mallorca Files“ spielt, ist er aber vor allem in Großbritannien in aller Munde. 

Nun startet die humorvoll-leichtfüßige Krimireihe, in der Looman als Max Winter gemeinsam mit einer britischen Polizistin auf Mallorca ermittelt, auch bei uns. Wir sprachen aus diesem Anlass mit dem 35-Jährigen, der zusammen mit der Musicaldarstellerin Annemieke van Dam einen Sohn hat, am Telefon.

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Herr Looman, wie landet man als Österreicher in einer Serie der britischen BBC?

Dadurch dass ich halber Holländer bin, habe ich immer schon internationalere Sachen gedreht und eine Agentur, die nicht nur im deutschsprachigen Raum arbeitet. Und weil für die „Mallorca Files“ explizit nach einem Deutsch sprechenden Schauspieler gesucht wurde, haben sie mich dort vorgeschlagen. So ging die Sache dann einen klassischen Casting-Weg. Am Ende gab es vier Kandidaten für die Rolle des Max Winter und vier Anwärterinnern für die Miranda Blake, sodass in London bei einem letzten Vorsprechen alle verschiedenen Kombinationen durchprobiert wurden. Bis schließlich das Glücksrad bei Elen Rhys und mir stehen geblieben ist.

Trotzdem erstaunlich, dass die Serienmacher unbedingt einen Deutschen als männliche Hauptfigur haben wollten, oder?

Der Autor Dan Sefton und der Produzent Ben Donald wollten gerne diesen Retro-Flair für die Serie, den man schon an der Titelmusik erkennt. Im besten Sinne altmodisch, so à la „Starsky & Hutch“. Weil die Sache unbedingt in der Sonne spielen sollte, bot sich da innerhalb von Europa natürlich Mallorca an, schließlich ist das der Inbegriff von Sonnenurlaub schlechthin. Und wenn man dort näher hinsieht, merkt man, dass die Insel letztlich aufgeteilt ist zwischen Engländern und Deutschen. So kam die Idee, das Protagonisten-Duo auch in dieser Hinsicht gegensätzlich zu machen, mit einer englischen Ermittlerin und einem deutschen Kollegen. Nur mit einem Twist, was die sonst üblichen deutschen Tugenden angeht. In den „Mallorca Files“ ist der Deutsche der Chaot und Lebemann, während die Engländerin die Tugendhafte ist, die alles sehr genau nimmt.

Zur Person

Julian Looman wurde 1985 in Wien geboren. Dort studierte er auch Schauspiel, Gesang und Tanz. Seine ersten Engagements hatte er an Theatern; unter anderem wurde er mit dem „Großen Aachener Theaterpreis“als „Bester Schauspieler 2015“ ausgezeichnet.

Seit 2009 steht Looman für verschiedene TV-Serien vor der Kamera, spielte unter anderem in der deutsch-österreichisch-schweizerischen Koproduktion „Der Winzerkönig“. Außerdem war er in den Kinofilmen „&ME“ und „Beatrx, Oranje onder vuur“ zu sehen.

Die Serie „The Mallorca Files“ ist eine deutsch-britische Koproduktion: Die erste Staffel lief bereits in der BBC und ist nun auch in Deutschland zu sehen, freitags jeweils um 22 Uhr zwei Folgen bei ZDF Neo. Bereits gesendete Folgen sind in der Mediathek abrufbar.

Mit Mehrsprachigkeit sind Sie aufgewachsen und haben auch schon viel in Holland oder Belgien gedreht. Aber ist eine Hauptrolle auf Englisch noch mal eine ganz andere Herausforderung?

Absolut! Ich habe davor noch nie auf Englisch gedreht, deswegen war diese Hauptrolle natürlich ein Sprung ins kalte Wasser. Mit der Zeit entwickelt man eine Routine, aber es gibt schon Schwierigkeiten. Weil die Serie ja von Briten geschrieben wird, formuliert dieser Max Winter seine Sätze definitiv nicht so, wie es ein Deutscher oder Österreicher eigentlich tun würde. Und für gewisse Fachausdrücke aus dem Polizeifachwesen muss ich manchmal auch die Google-Übersetzung zur Hilfe nehmen, wenn ich die Drehbücher lese. Gleichzeitig hat die fremde Sprache auch Vorteile: Weil’s nicht die eigene ist, denke ich auch nicht so viel drüber nach.

Das Bild, das in der Serie von Mallorca gezeichnet wird: Wie realistisch ist das eigentlich?

Es ist jetzt nicht so, dass jede Woche so viele Leute auf der Insel ermordet werden. Aber die Bilder, die man in der Serie sieht, sind definitiv die beste Werbung für Mallorca. Und man sieht ja viel, weil es wie bei einem Roadmovie die ganze Zeit von einer Ecke der Insel zur nächsten geht. Wir zeigen den erstaunlichen Reichtum und die Vielfalt dieses kleinen Fleckchens Erde auf eine Art und Weise, die man so sonst nicht unbedingt zu sehen bekommt.

Waren Sie schon vor der Arbeit an „The Mallorca Files“ einmal auf der Insel?

Praktisch gar nicht. Ich war einmal für die Hochzeit von einem Freund da, für nicht einmal 24 Stunden, die ich sehr genossen habe. Davon abgesehen hatte ich durchaus ein paar Vorurteile, zum Beispiel dass Ibiza etwas für die jungen Leute ist, Mallorca für die alten. Oder dass die Insel überlaufen ist und überall nur Kreuzfahrtschiffe sind. Im Prinzip dachte ich, die ganze Insel ist ein einziger Ballermann.

Aber …

Natürlich habe ich sehr schnell gemerkt, dass das eine total naive Vorstellung war. Der Ballermann sind zwei oder drei Straßenzüge, außerhalb von Palma, und eigentlich komme ich da nie hin. Außerdem hat Mallorca eine unfassbar schöne Natur mit diesem tollen Gebirge, das man eigentlich von jedem Winkel der Insel aus sieht. Im Zentrum gibt es darüber hinaus eine wunderschöne Weinbaugegend, von fantastischen Stränden ganz zu schweigen. Und Palma hat durchaus kosmopolitische Züge, mit tollen Cafés, Restaurants und Geschäften. Ich habe Mallorca sehr lieben gelernt.

Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Gemeinsam mit Miranda Blake (Elen Rhys) jagt Max Winter (Julian Looman) die Verbrecher von Mallorca.
Foto: ZDF

Zum Glück, schließlich müssen Sie ja inzwischen viel Zeit dort verbringen!

Für meine Familie und mich ist Mallorca im Moment der Lebensmittelpunkt, zumindest von November bis Mai, während wir eine Staffel drehen. Zum Überwintern ist das natürlich herrlich, es sind immer zwischen 16 und 20 Grad.

So erfolgreich, wie die Serie in Großbritannien bereits läuft, könnte es gut sein, dass Sie noch einige Winter auf Mallorca verbringen müssen. Wären Sie dazu bereit?

Oh ja, ich könnte mich gut an diesen Lebensstil gewöhnen. Zumal auch im deutschsprachigen Raum im Winter prinzipiell eher wenig gedreht wird, da verpasse ich also nicht viel. Und dort kann ich dann ja auch im Sommer wieder arbeiten.

Die Arbeit an der zweiten Staffel mussten Sie allerdings wegen der Corona-Pandemie aktuell unterbrechen, nicht wahr?

Stimmt, eigentlich würden wir gerade die Folgen sieben und acht der zweiten Staffel drehen. Die ersten sechs waren schon im Kasten. Wir haben immer nach einem Block mit zwei Folgen ein paar Tage Pause, und ich war gerade in München, um an der Synchronisation zu arbeiten, als der Corona-Wahnsinn endgültig ausbrach und klar war, dass wir nicht weiterdrehen können. Seither bin ich mit meiner Familie zu Hause in Wien, obwohl alle unsere Sachen noch auf Mallorca sind. Sogar mein Laptop!

Das Gespräch führte Patrick Heidmann.