Meine Tiere: Härtetest und Kuchen

Was für ein Hobby! Erdverbunden, naturnah, in grünen Klamotten durch den Wald streifen… und dann mit den Kumpels ein paar Enten schießen. Zahme Enten, die zu tausenden ausgesetzt werden, damit die Jäger später etwas treffen. Mitte September hat das Komitee gegen den Vogelmord e.V. diese Praxis im Niederrhein angeprangert; Jäger streiten es ab; der NABU hält es für „sehr wahrscheinlich“.

Die Gesetzeslage rund um die Jagd variiert je nach Bundesland und ist kaum zu überblicken. Zudem gibt es eine Kluft zwischen dem, was die Jagdgesetze erlauben, und dem illegalen Treiben, von dem Jäger in ihren Blogs prahlen. Doch so viel ist sicher: In den meisten Bundesländern ist die Ausbildung eines Jagdhunds am lebenden Tier, auch zahmen Enten erlaubt. Den Enten wird dazu ein Flügel mit Klebeband fixiert, damit sie nicht entkommen können. Die Ausbildung eines Hundes „verbraucht“ ungefähr zwanzig Enten.

Blutige Kämpfer unter der Erde

Für die Fuchsjagd werden die Hunde in künstlichen Höhlen an lebenden Füchsen ausgebildet; ein Gitter trennt sie von ihrer Beute, erspart dem Fuchs aber nicht die Todesangst. Der Fuchs wird nie frei gelassen, wieder und wieder werden Hunde auf ihn gehetzt. Indem der Jagdhund ein freies Tier zur Strecke bringt, muss er den „Härtenachweis“ erbringen.

Nachdem ein Jagdhund im hiesigen Wald einen kleinen Mischling eine Stunde lang verfolgt und, unter entsetzlichem Geheul des Opfers, zu Tode gebracht hatte, habe ich die Jagd mit Hund recherchiert. Dabei stieß ich auf das Phänomen „Baujagd“: Jagdhunde werden in Fuchsbauten gehetzt und sollen die Füchse heraustreiben, so dass sie „springen“. Wenn das nicht klappt, kommt es zwischen Hund und Fuchs zu blutigen Kämpfen unter der Erde, die stundenlang dauern können; oft müssen die Tiere ausgegraben werden. Eine Google-Bildsuche zu dem Stichwort „Baujagd“ legt davon anschauliches Zeugnis ab.

Die Baujagd an Fuchswelpen wird von manchen Jägern praktiziert, ist aber verboten – eigentlich müssen die Welpen vor dem Bau gefangen oder erschossen werden. Die Füchsin (Fähe) versucht die Jungen zu verteidigen; auch dabei kommt es oft zu blutigen Kämpfen mit dem Hund.

Doch lassen wir die Jäger sprechen. „Die Fähe ist zu dieser Zeit aggressiver als sonst. Die Jungfüchse sind auch im Kunstbau zu finden. Sie müssen fast immer gegraben werden.“ (Jagdseite nimrods.de)

„Keine Jagdart ist so spannend wie die Baujagd.“ (Baujäger.de)

"Mit Spaten, Spitzhacke und Schaufel zum Naturbau"

Aus einem Jäger-Blog (leicht gekürzt): „Wie spannend und immer wieder überraschend die Raubwildjagd sein kann, zeigte die Baujagd zwei Wochen zuvor. Gleich beim zweiten Bau zeigte der Hund deutlich an. Schnell war der Revolver zur Hand und der Fangschuss angetragen. Der zweite Fuchs, von dem vorherigen Radau gewarnt, schaute zwar mehrmals aus dem Bau, wollte aber nicht springen. Also fingen zwei der Waidkameraden an zu buddeln, um die Kessel freizulegen und Unruhe im Bau zu stiften. Nach einigem Graben verlor der Fuchs dann die Nerven, sprang und lag im Knall. Kurz darauf sprang der dritte Fuchs, wurde mehrfach beschossen, kam aber durch einen beherzten Sprung davon. Fuchs Nr.4 wollte nun partout nicht mehr springen. Mit reichlich Mühe und gutem Gerät gelang es dann schließlich doch noch, ihn aus der Röhre zu treiben. Auch er lag im Knall. Da lagen dann eine Fähe und zwei Rüden von ansehnlicher Größe. Nun galt es den Beschossenen ebenfalls zu strecken. Also ging es mit Spaten, Spitzhacke und Schaufel zum Naturbau. Nach erneutem Fleiß wurde auch der letzte des Fuchsquartetts mit dem Revolver gestreckt und zu den anderen auf die Strecke gelegt. Bei Kaffee und Kuchen klang dieses ungewöhnliche Waidmannsheil gemütlich aus.“

Aus einem anderen Blog: „In den Brombeeren ging im wahrsten Sinne des Wortes der Fuchs ab. Die 5kg Fähe stellte sich den Hunden. Kira umkreiste und verbellte sie, bekam sie aber nicht zu fassen. Schließlich fasste Hexe auf strengen Apportbefehl zu, schüttelte den Fuchs, kam und gab aus. Auch noch der Härtenachweis erbracht. Welch schöner Erfolg. Anschließend gab es Jägermeister für uns und Wasser für die Hunde.“

Das ist kein Hobby für eine zivilisierte Welt.