Das Redaktionsgebäude der New York Times in Manhattan, New York City.
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Berlin/New YorkIn der Redaktion der New York Times, der einflussreichsten liberalen Zeitung der Vereinigten Staaten, ist es zu einem Zerwürfnis gekommen. Am Dienstag hat die Meinungsredakteurin Bari Weiss in einem Brief an den Verleger bekannt gegeben, ihren Posten als Meinungsredakteurin zu räumen. Sie gab an, von ihren Kollegen für ihre konservativen Positionen gemobbt und eingeschüchtert zu werden. Der Brief hat in den sozialen Netzwerken zu hitzigen Diskussionen über das Arbeitsklima in der Zeitung geführt.

In dem Kündigungsschreiben begründet die Journalistin ihren Entschluss: „Ich wurde mit dem Ziel eingestellt, Stimmen einzubringen, die in der Zeitung sonst kein Gehör finden: Zentristen, Konservative und andere, die die New York Times nicht als ihr Zuhause bezeichnen. Der Grund für meine Einstellung war klar: Dass die Zeitung das Ergebnis der Wahlen von 2016 nicht vorhergesehen hat – und die Einsicht, dass die Zeitung die USA nicht richtig versteht.“

Ihre Aufgabe könne die Journalistin wegen des aggressiven Klimas in der Redaktion nicht länger erfüllen. Anstatt der Wahrheit auf der Spur zu sein, würde die Redaktion allein die Bedürfnisse der liberalen Seite abbilden. Es herrsche Bürgerkrieg zwischen den jungen Redakteuren, die eine moralische Agenda verfolgten, und den älteren Mitarbeitern über 40, die sich für Stimmenvielfalt engagierten.

Proteste nach Kommentar

Die Journalistin sieht sich von ihren Kollegen intern als auch öffentlich als Nazi und Rassistin beschimpft. Zudem beklagt sie, dass der Verleger gegen die Einschüchterungen nichts unternehme und die Meinungsvielfalt der Zeitung riskiere. „Warum etwas Kühnes schreiben (...), wenn wir unsere Arbeitsplätze (und Klicks) sichern können, indem wir den 4000. Kommentar veröffentlichen, dass Donald Trump eine außerordentliche Gefahr für unser Land und die Welt darstellt?“

In der Mittwochsausgabe berichtet die Zeitung über den Konflikt. In dem Bericht heißt es, dass zahlreiche Redakteure die Darstellung von Bari Weiss nicht teilten. Der Journalist Max Strasser schrieb auf Twitter: „In der Redaktion herrscht kein Bürgerkrieg. Es findet lediglich eine redaktionelle Debatte statt, und diese verläuft auch nicht entlang von Generationslinien.“ 

Die 36-jährige Bari Weiss kam 2017 zur New York Times. Ihre Positionen wurden zuletzt kontrovers diskutiert, als sie einen New-York-Times-Kommentar des Senators Tom Cotton verteidigte, in dem der Republikaner forderte, die Proteste nach der Ermordung von George Floyd mit Truppengewalt zu beenden. Nach einem Protestbrief, den über 1000 Angestellte der New York Times unterzeichnet hatten, räumte auch James Bennet, der damalige Chef der Meinungsseite, seinen Posten.