Eine der bekanntesten Geschichten Alice Munros, „Die Kinder bleiben hier“, erzählt von einer jungen Mutter, Pauline, die ihren Mann während eines Familienurlaubs verlässt. Er ist ein dauerwitzelnder Lehrer, sie Hausfrau und Hauptdarstellerin einer Laieninszenierung von Jean Anouilhs „Eurydike“ in einem staubigen Kleinstadtsaal. Der Grund der Trennung ist der Regisseur, ein junger, zorniger und ziemlich naiver Kreativer. Sie geht mit ihm fort, wohl wissend, dass sein „Ich werde dich nie verlassen“ ein leeres Versprechen ist.

Munro erzählt das alles aus der Sicht der Frau, die, wie alle Figuren auf diesen 40 Seiten, ihre Vorzüge und ihre Fehler hat. Als sie schließlich ihre Kinder, zwei und fünf Jahre alt, beim Ehemann zurücklässt, betont sie die Vorzüge realistischer Liebe – und zwar mit Blick auf das Theaterstück: „Er will eine vollkommene Eurydike. (…) Sie liebt ihn mehr, weil sie nicht so verblendet ist. Sie liebt ihn wie ein Mensch.“

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