Die Schriftstellerin Mely Kiyak
Foto: Jacqueline Illemann

„Frausein“ heißt das Buch von Mely Kiyak. Es könnte auch Menschsein heißen, oder Alikindsein, Autorinsein, Körpersein, Erstesein. Von all diesen Bestandteilen, aus denen sich ihre Identität zusammensetzt, erzählt Mely Kiyak in diesem berührenden autobiografischen Essay. Auf das Verb kommt es hier an. Erzählen. Das ist das, was sie tut. Sie erklärt nicht, „Frausein“ ist kein diskursiver Text, der schmale Band kein Thesenbuch, wie einen der Titel erwarten lassen könnte. Indem sie sich selbst erzählend erkundet, lässt Mely Kiyak einen verstehen.

„Eines morgens wachte ich auf und sah die Welt verschwinden“, lautet der erste Satz. Er klingt so poetisch. Aber dann begreift man, dass das keine Metapher ist, sondern es wirklich passiert. Dass es sich um einen medizinischen Notfall handelt, einen Augeninfarkt. Die Krankheit ist die Klammer, die den Blick zurück auf das eigene Leben zusammenhält. Ja es ist, als habe das Schwinden der Sehkraft diesen zarten Akt der Selbstvergewisserung ausgelöst. „An sich erzählt es sich leicht. Die Erinnerungen rollen wie Lawinen herab“, schreibt Mely Kiyak. Gefahr ist also schon dabei. So eine Lawine könnte einen ja auch unter sich begraben. Was aber hier erzählt wird, ist die Geschichte einer Selbstermächtigung, die Geschichte einer Emanzipation.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.