Das Geschlecht steckt bei den „Men in Black“ schon im Titel, aber eigentlich spielte es nie eine Rolle. Schon in ihrem letzten, dritten gemeinsamen Auftritt wirkten Will Smith und Tommy Lee Jones wie ein altes Ehepaar, das sich nichts mehr zu sagen hat – und so wurden sie folglich getrennt, zugunsten eines vergnüglichen Zeitreise-Plots, der Jones durch sein jüngeres Selbst ersetzt sah. Im ohnehin fluiden Raum-Zeit-Kontinuum der Serie setzt „Men in Black: International“, der vierte Teil, nun ganz auf den Neustart, und der lässt sich gut an.

Schon als kleines Mädchen hat Molly (Tessa Thompson) die Männer im schwarzen Anzug dabei beobachtet, was diese Männer eben tun: Aliens pulverisieren und arglose Zeugen – Mollys Eltern – mittels Neuralisator (das „Blitzdings“) die Sache vergessen lassen. Ihr ganzes Leben hat die junge Frau darauf hingearbeitet, die offiziell inexistente Organisation aufzuspüren und ihr beizutreten. Es gelingt ihr, dank ihrer überragenden Fähigkeiten und einer ungewöhnlichen Initiativbewerbung – sie wird zum Man in Black mit dem Namen M.

Das Geschlecht spielt keine Rolle

Ihr befremdetes Nachhaken diesbezüglich wird von der Chefin O (Emma Thompson) relativ brüsk abgebügelt: Sie habe genug von der Diskussion, die sowieso nichts bringe, das Ganze sei eben ein Prozess. Keine weiteren Fragen!

Im Film spielt das Geschlecht fortan dieselbe Rolle wie der Generationenunterschied zwischen Smith und Jones zuvor, oder der von schwarz und weiß – keinen sehr großen. Agentin M bildet ein Duo mit dem erfahrenen Agent H. Sie agiert rational und zielgerichtet, er eitel und impulsiv. Als Nachfolger der Smith-Figur sieht sich der Darsteller Chris Hemsworth hier dem konstanten Vorwurf ausgesetzt, er ruhe sich auf früherem Ruhm aus, sei hübsch anzuschauen, aber ohne Substanz – wie etwa das soundsovielte Sequel eines erfolgreichen Blockbusters. Das Ziel lautet folglich Auffrischung. Es glückt Regisseur F. Gary Gray, Nachfolger von Barry Sonnenfeld, so leidlich.

Gute, böse und humanoide Aliens

Vom New Yorker Hauptquartier aus geht es diesmal um die ganze Welt. Eine nur leicht umgemodelte U-Bahn teleportiert M in die Londoner Filiale, es folgen Marrakesch, Italien und Paris. Das alles ist, nun, hübsch anzuschauen. Es gibt gute und böse Aliens, manche in Menschengestalt. Letztere trachten nach einer weltzerstörenden Superwaffe. T (Liam Neeson), Vorgesetzter von H und eine Art Vaterfigur, sucht darüber hinaus nach einem Spion in den eigenen Reihen.

Das Böse erscheint insbesondere in Form zweier akrobatisch begabter Tanzterroristen (die HipHop-Artisten Laurent und Larry Bourgeois, identische Zwillinge), die sich nur mit unheimlich vielen CGI-Effekten in Schach halten lassen. Um sie abzufeuern, braucht es Waffen, die ebenfalls ausschließlich aus Effekten bestehen und in einer Szene aus einem Transformers-Auto gebastelt werden. Radkappen zu Trommelgewehren!

Das Waffendesign stammt erstmals vom Modellbauer Pierre Bohanna, der zuvor James Bond, Harry Potter und „Star Wars“ bestückte – und wie durch ein Wunder sieht der ganze Film genau so aus. Das schlichte Schwarz und Weiß der frühen Filme ist Vergangenheit. Britisch-französischer Empire-Stil, im Zentrum der Eiffelturm als Lift in die vierte Dimension, dominiert stattdessen. In einigen mediterranen Szenen trägt Hemsworth, der nicht nur Will Smith, sondern auch noch Bond ersetzen muss, nicht mehr Anzug, sondern ein lässig offenes Hemd.

Ein kleines, grünes Manko

M hingegen würde nichts aus ihrem Anzug bringen, zu lange hat sie dafür gekämpft. Die Diskussionen über unterschiedliche Berufsauffassungen sind mit einigem Witz gestaltet, soweit es eine Science-Fiction-Komödie eben zulässt. Sie leiden indes unter einem Manko. Es ist klein, grün und hört auf den Namen Pawny. Das ließe sich mit „Bäuerchen“ übersetzen. Pawny ist eine Mischform aus Alien und Schachfigur, die sich die beiden in Marrakesch eingefangen haben. Ähnlich Pinocchios Grille agiert der Quälgeist als pfiffiger Mittler zwischen den Hauptfiguren – und nimmt dem Duo damit jede Dynamik.

Es wirkt, als hätten die Macher einen noch ungelösten Konflikt ihrer neuen Konstellation vorerst auslagern wollen. Ist Pawny symbolischer Ausdruck eines noch undefinierten Begehrens? Oder geht es eben doch, schlicht und durchaus modern, um das Aushandeln neuer Geschlechterrollen? Wenn überhaupt, hätte man davon lieber direkt erfahren. Sollte der Kerl noch einmal auftauchen, ist er ein klarer Fall für den Neuralisator.

Men in Black: International USA 2019. Regie F. Gary Gray, Drehbuch: Matt Holloway, Art Marcum, Darsteller: Tessa Thompson, Chris Hemsworth, Rebecca Ferguson, Liam Neeson u.a.; 115 Min., Farbe. FSK: ab 12 Jahren