Wie gewohnt gab „Menschen, Bilder, Emotionen“ keinen allgemeinen Rückblick auf das Jahr 2011, sondern sortierte das Geschehen danach, wie es sich im RTL-Programm widergespiegelt hatte. Die ersten Namen, den Günther Jauch nannte, waren die der Gebrüder Klitschko – sie zeigen ihre Kämpfe halt bei RTL. Für etwas Aufregung sorgte Vitali, als er ohne Wladimir auf die Bühne kam, der nach einen Nierenstein-OP noch nicht fit genug sei – am nächsten Sonnabend aber unbedingt auf RTL boxen will. Danach musste der Boxer mit Günther Jauch noch Tischtennis gegen eine 14-Jährige spielen, die sich wie die Zuschauer fragte, was das sollte.

Auch andere RTL-Shows wurden gewürdigt: Das „DSDS“-Pärchen durfte singen, „Let’ Dance“-Siegerin Maite Kelly mit einem 88-jährigen Tanzlehrer tanzen, und Barbara Schöneberger, Gewinnerin des Promi-Specials bei „Wer wird Millionär?“, durfte ihre Schlagfertigkeit beweisen. Schon bei ihrem Auftritt wurde natürlich auch die Gottschalk-Nachfolge diskutiert, eine Frage, die als Spannungsbogen der gesamten drei Stunden herhalten musste, damit aber arg überstrapaziert wurde.

Zwischendurch befragte Günther Jauch zwar durchaus mal Gäste, deren Taten tatsächlich Relevanz hatte. Dazu gehörten Männer, die beherzt geholfen hatten, ob beim Massaker bei Oslo oder bei der Prügelattacke in der Berliner U-Bahn.

Fesselnd auch die Geschichte der Iranerin, die bei einem Säureattentat schwer entstellt worden war, sich nach einem Gerichtsbeschluss bei ihrem Peiniger mit denselben Mitteln hätte rächen können, aber darauf verzichtete. Und natürlich gehört auch der erste grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann unbedingt in jeden Jahresrückblick 2011.

Nicht mit jedem Gast konnte Günther Jauch besonders viel anfangen – etwa mit den Kraftwerksingenieuren, die Fukushima live miterlebt hatten. Keinen großen Gefallen hat sich Jauch damit getan, sich selbst derart in den Mittelpunkt seines RTL-Jahresrückblicks zu schieben. Denn natürlich hätte er die kaum ernst gemeinte Nachfrage Gottschalks tags zuvor in „Wetten dass..“, ob er denn nicht die ZDF-Show übernehmen wolle, sofort absagen können. Doch er machte aber noch ein Rätselraten daraus, um Spannung für die eigene Show zu erzeugen. Dieses Kalkül ging nicht auf, und es war ausgerechnet der als flapsig geltende Thomas Gottschalk, der ernsthaft klarstellen musste, was und wer im vergangenen Jahr wirklich gewesen war – und dem die stehenden Ovationen des Publikums sichtlich peinlich waren.