„Menschen hautnah“ mit Alfred Biolek: Als liefe keine Kamera

Köln - Tief gebeugt über einen Kochtopf, mit dem Zwiebelmesser in der Hand und stets aufmerksam seinem Küchen-Gast über die Schulter spinksend – so kennt man Alfred Biolek, so hat er sich mit der WDR-Sendung „alfredissimo“ von 1994 bis 2006 in die Herzen zahlreicher Fernsehzuschauer gekocht. Jetzt wird der Unterhaltungskünstler 80 Jahre alt. Für den WDR Grund genug, einen Blick zurück auf eine Lebensgeschichte zu werfen, die aus weit mehr besteht als nur aus Bios Talkshow „Boulevard Bio“ und „alfredissimo“. Im Film „Mensch, Bio!“ von Sandra Maischberger und Hendrik Fritzler soll es stattdessen um den Menschen gehen. Nicht um den Prominenten, der als Fernsehgastgeber von Ray Charles und Britney Spears über Helmut Kohl bis hin zum Dalai Lama so manchen Gesprächspartner empfing, an dem sich andere Talk-Master mit ihren Einladungen die Zähne ausbissen.

Und so geht es auch direkt hinter die Kulissen: in Bios private Wohnung, an seinen Esszimmertisch, wo er bereitwillig Einblick gibt. In private Fotoalben, in die Geschichten seines Lebens, auch in seine Gedankenwelten. Dank ihnen ist ein Film entstanden, dem man das vertraute Verhältnis zwischen seinem Protagonisten und seinen Machern ansieht. Ein ehrliches und warmherziges, wenn auch niemals heroisierendes Porträt, das behutsam wagt, auch die schwachen Seiten eines Menschen einzufangen, der vor der Kamera stets souverän und professionell auftrat und wiederum anderen das Gefühl gab, in guten Händen zu sein.

Mit Lebensgefährte in Heimatstadt zurück

1934 in Freistadt in der ehemaligen Tschechoslowakei geboren wuchs Alfred Biolek in einem liebevollen Elternhaus auf – so sagt er selbst und so bestätigen es auch die familiären Filmaufnahmen aus seiner Kindheit. Gerne blickt er zurück auf diese Zeit, auch wenn die Vertreibung aus seiner Heimat nach dem Zweiten Weltkrieg Spuren hinterlassen hat. Es ist offenbar kein leichter Weg für den noch 79-Jährigen, als er für den Dreh des WDR mit seinem Ex-Lebensgefährten Keith Biolek-Austin erstmalig in seine Heimatstadt und in sein Geburtshaus zurückkehrt. Dennoch wagt er ihn – es ist eine von gleich mehreren Reisen an Schauplätze seines Lebens, auf die Sandra Maischberger ihn während der zweijährigen Entstehungsphase des Films begleitet hat. Und zwar so dezent, dass der Zuschauer vor dem Fernseher wahrhaftig das Gefühl bekommt, danebenzusitzen, während alte Freunde über die Vergangenheit sprechen.

Der Weg aus der Anwaltskanzlei vor die Kamera, die familiäre Zusammenarbeit mit den Kollegen in der 1979 gegründeten Produktionsfirma Pro GmbH, die rauschenden Feste, die Alfred Biolek liebte, nach seinen Sendungen im Alten Wartesaal in Köln zu feiern – es waren ganz offensichtlich rasante, glückliche Zeiten, die die Fernsehikone an den Höhepunkt ihrer Karriere führten. 2006 kam dann die Entscheidung, aufzuhören – er sei immer überzeugt gewesen, dass man gehen sollte, wenn man den Höhepunkt erreicht hat und sich selbst nicht mehr übertreffen kann, erzählt der ehemalige Moderator.

Schwere Verletzungen bei Treppensturz

Keinesfalls aber heißt das, dass das Leben für Alfred Biolek an Tempo verlor. „Ich hatte eine total ruhige Woche“ – das ist ein Satz, den seine Freunde noch heute oft von ihm hören, gefolgt von einer Auflistung öffentlicher wie privater Termine in ganz Deutschland, die den 79-Jährigen daran hindern, stillzustehen, allein zu sein. Ein Umstand, den einige der zu Wort kommenden Freunde als weniger, andere als mehr besorgniserregend empfinden – auch in Hinblick auf den Treppensturz im Sommer 2010, bei dem Bio sich schwer an Kopf und Schulter verletzte und mehrere Wochen im Krankenhaus lag.

Mit „Mensch, Bio!“ ist den Produzenten des Films ein intimer Blick auf ein Leben gelungen, das WDR-Intendant Tom Buhrow völlig zurecht als „inspirierend“ bezeichnet. Und auch wenn Biolek ausschließt, zum Fernsehen zurückzukehren – „Es ist anders als damals, überhaupt nicht mehr mein Geschmack“ – ist doch eines völlig fraglos: In seiner Küche, bei seinen Freunden, wird er weitermachen. Der Biolek, tief gebeugt über den Kopftopf oder mit dem Zwiebelmesser in der Hand.

Der Dokumentarfilm „Mensch, Bio!“ läuft am Dienstag, 24. Juni um 22.45 Uhr in der ARD.

Am 10. Juli zeigt der WDR ab 22 Uhr eine „Alfred-Biolek-Nacht“.