Paul Celan.
Foto: dpa/Willi Antonowitz

„Erst jenseits der Kastanien ist die Welt. / Von dort kommt nachts ein Wind im Wolkenwagen / und irgendwer steht auf dahier / den will er über die Kastanien tragen.“ Als Paul Celan noch Paul Antschel hieß, schrieb er sich mit diesen Zeilen aus dem beengten Elternhaus hinaus in die weite Welt. Seine jugendlichen Verse waren bereits von Todesahnungen erfüllt. Das dunkle Gedicht „Drüben“ wurde vor wenigen Tagen auf dem Innenhof einer Seitenstraße in Czernowitz vorgetragen – genau hier kam der spätere Dichter am 23. November 1920 zur Welt. Seine Eltern gehörten zu den vielen deutschsprachigen Juden der Stadt, die im Holocaust ermordet wurden. Celan selbst überlebte verschiedene Zwangsarbeitslager, emigrierte nach Kriegsende über Bukarest und Wien nach Paris. Die Lesung seiner frühen Texte am historischen Ort fand jetzt als Teil des seit elf Jahren jährlich begangenen Meridian-Poesie-Festivals statt. Der Rezitator war Peter Rychlo: maßgeblicher Herausgeber, Übersetzer und Multiplikator, ohne den es heute wahrscheinlich weder das Celan gewidmete Festival selbst noch Erinnerungstafeln oder Denkmäler für den Dichter in seiner heute in der Südwestukraine gelegenen Geburtsstadt geben würde.

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