Mit kuriosen Begründungen wurde Frauen einst das Wahlrecht verwehrt. Frauen seien emotional unzuverlässig und würden nicht über jenen klaren Verstand verfügen, der unerlässlich ist, um politische Urteile zu fällen, hieß es. Daher sei es nur folgerichtig, wenn Frauen öffentlich nicht für sich selbst sprechen oder gar wählen dürften, sondern darin von ihren Ehemännern, Vätern oder Brüder vertreten würden. Auf den Gedanken, dass diese Männer – zumal wenn es sich um Trinker oder Sadisten handelte – womöglich viel instabiler sein könnten, als es ihren Gattinnen, Töchtern oder Schwestern zugeschrieben wurde, verfielen die Gesetzgeber nicht. Wie auch – waren sie doch selbst Männer.

So verhielt es sich jedenfalls in Großbritannien in jenem Jahr 1912, in das der Spielfilm „Suffragette“ führt. Das ungeschmeidig wirkende Thema gebietet, hier gleich eins festzustellen: Es ist ein spannender und so gar nicht melodramatischer Film, der weder einseitig agitiert noch den Zuschauer plump belehrt. Die Regisseurin Sarah Gavron und ihre Drehbuchautorin Abi Morgan (u.a. „Die eiserne Lady“) erzählen vielmehr die Geschichte einer tausendfachen Notwehr, die in der Radikalisierung mündete, weil dies nicht anders sein konnte, als die Opferrolle nicht mehr in Betracht kam. Gavron und Morgan erzählen aber auch die Geschichte von Männern, die so in ihrem festen Rollenverständnis gefangen sind, dass sie auf dessen Störung nur mit Gewalt zu antworten vermögen.

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