Viele Männer, aber auch ein paar Frauen hatten sich am Dienstag im kleinen Club Zukunft am Ostkreuz versammelt, um der New Yorker Metal-Band Prong (zu Deutsch: Zinke) bei der Live-Arbeit zuzusehen. Prong, deren einziges permanentes Mitglied Sänger und Gitarrist Tommy Victor ist, war selbst zu deren Blütezeit nur geringfügiger Erfolg beschieden.

Allein ihr Album „Cleansing“ erregte 1994 etwas Aufmerksamkeit. Darauf verabschiedete sich die Band von ihren dem Punk verbundenen Thrash-Metal-Wurzeln und wurde durch Samples, Breakbeat-Schlagzeugrhythmen und spielerische Genauigkeit zu einer Art Blaupause für das spätere Nu-Metal-Genre, dem wir Stadion-Zumutungen wie Korn oder Limp Bizkit zu verdanken haben.

Wie so manche Pioniere blieben Prong erfolglos, sodass man ihre Kunst glücklicherweise nach wie vor in angenehm undergroundigen Orten wie dem Zukunft am Ostkreuz begutachten kann. Kontext ist alles, und so hatte die Darbietung trotz Nu-Metal-Affinität eher einen gemütlichen Charakter. Wer nach so langer Zeit noch durch so kleine Läden tourt, kann nicht ganz unsympathisch sein.

Nach jedem Lied goss sich Schlagzeuger Aaron Rossi eine Flasche Wasser über die Glatze

Gut war zum Beispiel, Schlagzeuger Aaron Rossi beim Aufbau zu beobachten. Zum Erstaunen der Umbauhelfer förderte er zwei Sonderpads zur Stabilisierung seiner Basstrommel zutage und installierte sie in Ruhe, um dann hinterher fachgerecht Triolen-Breaks und Half-Time-Beats zu prügeln und sich nach jedem Lied eine Flasche Wasser über die Glatze zu gießen.

Victor selbst war äußerst präsent. Mehrfach ging er samt Gitarre von links nach rechts und wieder zurück, und im Stück „For Dear Life“ imitierte er gar Chuck Berrys ikonischen Entengang! Nu-Metal-Duckwalk! Ansonsten spornte Victor das Publikum an und machte mehrere Anmoderationen, die sich allerdings schlecht verstehen ließen, da er unweigerlich seine Gitarre dazu laut und hochfrequent Rückkoppelungen pfeifen ließ. Bassist Jason Christopher gab sich mit Leidenschaft seinem Instrument hin, einmal fragte er, ob das Publikum glaube, Victors Gitarre sei verstimmt.

War sie aber nicht! Dafür schredderte sie mit Christophers Bass präzise Sechzehntel-Einwürfe, besonders in den Stücken wie „Cut Rate“, auch gab es in ersterem Stück dank Plektrum-Tapping-Technik ein beinah psychedelisches Gitarren-Solo.

Der Einfluss der 60er-Jahre drang auch an anderer Stelle durch, mehrere Wah-Wah-Einlagen und sogar ein Bluesrock-Lied-Ende ornamentierten diese solide gearbeitete Metal-Revue – mehr als andere Musik ist Metal Handwerk, solides Arbeiten ist das Hauptkriterium, nach dem Fachleute hier urteilen. Das in angenehm unkommerzieller Wohnzimmeratmosphäre zu erleben, ist allemal besser, als zu Hause zu sitzen und Marie Kondo zu gucken.