Berlin - Mit Experimenten zum neuen Distanztheater hat sich die Volksbühne bisher zurückgehalten. Verständlich, bedenkt man, dass die Dörr-Intendanz bald endet und große Neuanfänge eine kleine Laufzeit hätten. Geplante Arbeiten aber sollen trotz des Lockdowns noch über die Bühne gehen. Claudia Bauers Premiere „Metamorphosen (overcoming mankind)“ tut dies nun im wahrsten Sinne des Wortes: Sie lässt Ovids Hybridgestalten Gestalten sein und das Corana-Digitaltheater Theater: Sie baut eine frei aktualisierte Mythen-Bearbeitung in fast rührend-klassischer Präsenztheatermanier auf die Bretter und filmt das ab.

Klassisch? Eher volksbühnenklassisch. Bauer steckt Ovids Mythensammlung in einen musikalisch durcharrangierten Mix aus Stil-, Gesten- und Bildzitaten, die den Bogen von Herbert Fritsch über Christoph Marthaler und Vegard Vinge bis zu Frank Castorf schlagen (Letzter kommt am zynischen Swing-Ende als Caesar-Ikone sogar noch mal ins Bild). Den heiter-düsteren Weltauf- und -Abgang erzählt Bauer zugleich als lockere Theatergeschichte des Hauses. Etwas überraschend ist das Retrospiel dann aber schon, handelt es sich bei der Vorlage doch um den Urtext der Schöpferkraft und der  Wandlungsfähigkeit. Konsequent aber ist es auch. Denn wie Ovid selbst sein Werk aus umlaufenden Geschichten modellierte, betreibt Bauer ihre Kunst als Fortsetzung von Vorhandenem, das nun zusammengeschnürt werden muss.

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