MeToo am Grünen Hügel: Auch Festival-Chefin Katharina Wagner betroffen

Eigentlich sollen am Montag die Wagner-Festspiele in Bayreuth neu beginnen. Aber dann erhoben etliche Frauen schwere Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe.

Katharina Wagner: „Man kann mir Briefe unter die Bürotür schieben.“
Katharina Wagner: „Man kann mir Briefe unter die Bürotür schieben.“dpa/Nicolas Armer

Endlich ist es wieder so weit: Wie in jedem Jahr beginnen die Bayreuther Festspiele an einem 25. Juli, also an diesem Montag. Und wie stets inszenieren sie ihr eigentlich übersichtliches Programm – das Festival ist nur den zehn letzten Opern Richard Wagners (1813–1883) gewidmet – als lärmigen Da-musste-hin-Hype. Als gesellschaftliches und künstlerisches Großereignis: Die Werkschau kompensiert den schmalen Zuschnitt im Repertoire mit opulenten bis fulminanten, bisweilen auch skandalösen und riskanten Neuinterpretationen des Wagner’schen Werks.

Mittendrin: die Festivalleiterin Katharina Wagner, 44, die Urenkelin von Richard Wagner und Tochter des legendären Opernregisseurs und Festivalleiters von Wolfgang Wagner (1919–2010). Katharina Wagner verantwortet die Opernsause seit nunmehr 13 Jahren und führt damit nicht nur eine Familientradition fort. Stattdessen hat sie einigermaßen unerschrocken das mit ihrem Vater dann doch etwas staubig gewordene Oeuvre wieder in die lebendige Gegenwart geholt. Und  dieses Mal ganz besonders: Es sind die ersten richtigen Festspiele seit drei Pandemie-Jahren.

Katharina Wagner: „Ich habe mich aber zu wehren gewusst“

Was hätte da nicht alles gefeiert werden können. Keine Maskenpflicht, gut und schön. Aber dann vor allem dies hier: die Neuinszenierungen von „Rheingold“, „Walküre“, „Siegfried“, und „Götterdämmerung“ sowie den neu inszenierten „Tristan“ als Eröffnungspremiere! Das sind rund 20 Stunden neu gedeutetes Musiktheater! Und dann gibt es da auch noch das opulente Begleitprogramm mit Konzerten im Festspielhaus, kleinformatigen Veranstaltungen und großem Open-Air-Event am Rande des Hügelgeschehens. Toll, aber dann kam’s doch etwas anders: Sexismus-Vorwürfe.

„Mich betrifft das nicht nur als Festspielleiterin, sondern auch als Regisseurin“, erklärte Katarina Wagner jetzt am Sonnabend auf der Pressekonferenz zum Festivalbeginn in Bayreuth und bestätigte damit auch, dass sie selbst betroffen war: „Sexuelle Anzüglichkeiten und teilweise Übergriffe in gewisser Weise, ja … Ich habe mich aber zu wehren gewusst.“ Kurz zuvor hatte der Nordbayerische Kurier von körperlichen Übergriffen auf Frauen und von sexistischen Beleidigungen berichtet: MeToo auf dem Hügel. Politiker und andere Männer versprachen Aufklärung.

Und Katharina Wagner muss sich als Chefin jetzt nicht nur mit Corona-Krankenständen in den Ensembles beschäftigen – seit Anfang Juni infizierten sich rund achtzig Mitarbeiter. Nun will und muss sie sich auch sehr konkret um die von sexuellen Übergriffen betroffenen Frauen kümmern. Ihnen möchte Wagner die Angst nehmen, sich zu melden. Gern auch anonym: „Man kann mir Briefe unter die Bürotür schieben und man weiß ja, wo ich wohne.“