Hashtag-Debatten: So werden, oft leicht verächtlich, Probleme genannt, die unter einem bestimmten Schlagwort in Sozialen Netzwerken diskutiert werden – gekennzeichnet durch die Raute (#), eben der „Hashtag“. Sturm im Wasserglas, denken die, denen diese Welt fremd ist. Doch sie irren sich: Die Hashtag-Debatte „MeToo“ bewegt die gesamte westliche Welt, und das seit inzwischen einem Jahr.

Losgetreten wurde sie durch die Enthüllungen über die mutmaßlichen sexuellen Übergriffe des Filmproduzenten Harvey Weinstein. Doch das Bewusstsein für gesellschaftliche Probleme ist allgemein derzeit so stark wie lange nicht. Dass es um mehr geht als Sexismus, zeigt unsere Auswahl der Hashtags, die das vergangene Jahr geprägt haben.

Einige Grundsätze des Westens sind erschüttert worden – denn dass sie in Wahrheit nicht für alle gelten, wird auch durch die politischen Entwicklungen der vergangenen Jahre deutlich. Alle Menschen sind gleich? Anscheinend nicht, wenn die mit mehr Macht die anderen ungestraft misshandeln dürfen. Opfern sexueller Gewalt wird geholfen? Dann würden sie nicht attackiert, sobald sie den Mund aufmachen. Wer den Pass hat, darf ein Land seine Heimat nennen? Menschen mit Migrationshintergrund erzählen eine andere Geschichte.

Die Hashtags stehen für Glaubenssätze, die ins Wanken geraten sind. Und für Debatten, die überfällig waren. Jetzt werden sie geführt – auch, weil sich jeder beteiligen kann, der einen Internetzugang hat.