Die Pandemie und die mit ihr verbundenen wirtschaftlichen Folgen haben große Teile der Welt im zu Ende gehenden Jahr einen anhaltenden Albtraum durchleben lassen. Der Libanon aber gehört zu jenen Ländern, deren soziale und ökonomische Sorgen bereits so groß waren, dass die Corona-Pandemie oft nur noch als bittere Farce aufgefasst werden konnte. Auf die Frage, was dieses bittere Jahr für den Fortbestand der Metropolis Art Cinema bedeute, antwortet deren Initiatorin Hania Mroué: „Ganz ehrlich? – Ich weiß es nicht.“

Seit nunmehr zwölf Jahren befindet sich die gemeinnützige Stiftung Metropolis in einer Partnerschaft mit der Kinokette Empire, in dessen hübsch-altmodischen Kino namens Sofil sie ihr Programm zeigen kann.

Als am 17. Oktober Proteste und Unruhen im ganzen Land ausbrachen, gehörte das Metropolis zu jenen Kulturorganisationen, die sich spontan daran beteiligten. Einige Wochen später, als Mroué versuchte, den Kinobetrieb wieder aufzunehmen, musste sie jedoch feststellen, dass der Partner Empire die Vereinbarung aufgekündigt hatte – eine Entscheidung, die auf einen langjährigen Mietstreit mit der Eigentümerin, einer Bank, zurückzuführen war.

Schnelle Hilfe

Der Internationale Hilfsfonds für Organisationen in Kultur und Bildung 2020 wurde auf Initiative des Auswärtigen Amts und des Goethe-Instituts gemeinsam mit Partnern eingerichtet, die sich hierfür in einem Konsortium zusammengefunden haben. Ziel des Hilfsfonds ist, Organisationen aus Kultur und Bildung im Ausland schnell im Umgang mit den Auswirkungen der Pandemie zu unterstützen. Das Auswärtige Amt stellte die Grundfinanzierung von drei Millionen Euro zur Verfügung, das Goethe-Institut koordiniert den Fonds. Zahlreiche Kulturorganisationen und private Stiftungen aus Deutschland haben ebenfalls Mittel zur Verfügung gestellt darunter die S. Fischer Stiftung, die Robert Bosch Stiftung und das Goethe-Institut. Das Berliner Künstlerprogramm des DAAD, die Deutsche UNESCO-Kommission, die Stiftung Mercator und die Siemens Stiftung beteiligen sich mit eigenen Projekten.

„Die Aufstände zwangen das Metropolis, seine Tore zu schließen, aber wir fühlten, dass wir Teil eines historischen Wandels waren, der durch das Land ging. Wenn es gelänge, würden wir ein neues Kino bauen.“ Die bald einsetzende Finanzkrise brachte viele libanesischen Banken dazu, den meisten ihrer Kunden – denjenigen, die nicht reich oder in der Lage waren, ihr Geld ins Ausland zu schaffen – Kapitalkontrollen aufzuerlegen. Die Kontrollen beschränkten zunächst den Zugang der Einleger zu ihren US-Dollar. Später, als der Wert der Lira einbrach, wurde die Anerkennung des Marktwerts der Einlagen verweigert.

Plötzlich Teil einer globalen Krise

Die Krise habe sie schwer getroffen, sagt Mroué. „Wenn man einen Haushalt aufstellen will, weiß man nicht, ob man ihn in libanesischen Pfund, Dollar oder sogar Lollar (US-Dollar-Einlagen, die nicht für konventionelle Transaktionen verwendet werden können) aufstellen soll. „Und dann kam auch noch Corona“, sagt Mroué lachend. „Das war wie ein schlechter Witz, aber es hat uns zumindest auf die gleiche Stufe gestellt wie alle anderen. Wir hatten unsere Einrichtung verloren, aber plötzlich waren alle Kinos geschlossen, und wir fühlten uns als Teil einer globalen Kinokrise.“

Das ursprüngliche Zuhause des Metropolis, das kleine Theater des historischen Saroulla-Kinos von Hamra, war 2006 mit einer Wiederholung der „Semaine de la Critique“, einer Sektion des Filmfestivals von Cannes, eröffnet worden, die bis 2019 ein Eckpfeiler des Kinos blieb. Die erste Begegnung Beiruts mit dieser Filmreihe war nach der Premiere durch monatelange Bombenangriffe unterbrochen worden. Viele Bewohner flohen in den Norden, und Masrah al-Madina, die Inhaberin des Saroulla, gewährte damals mehreren Familien im Kino Unterschlupf.

Obwohl die meisten Menschen damals damit beschäftigt waren, an ihren Fernsehern zu kleben, beschloss Mroué, ihre Vorführungen fortzusetzen. Einige der wenigen Zuschauer waren junge Erwachsene aus den vertriebenen Familien im Saroulla, die ein wenig Abwechslung suchten und so erste Erfahrungen mit dem internationalen Arthouse-Film sammelten.

Während seiner Zeit im Sofil entwickelte sich auch das Metropolis-Programm, und es wurde zu einem wichtigen Anziehungspunkt, wo nun auch libanesische Filme mit regionalen Themen gezeigt werden konnten. Die Stiftung gründeten einen eigenen Verleih, die MC Distribution, und startete ein Projekt namens Cinematheque Beirut, das sich für die Aufarbeitung der vernachlässigten libanesischen Filmgeschichte einsetzte. Außerdem wurden zwei Filmerziehungsinitiativen ins Leben gerufen, an denen sich etwa 22.000 Kinder beteiligten. „Cinema on the Road“ bedient vor allem Flüchtlingssiedlungen und Schulen, während sich eine Partnerschaft mit dem Institut Français, „Tous au Cinema“, um französischsprachige Schulen im Land kümmert.

Internationales Kino und libanesischer Film

Trotz der Schließung des Kinos wurden diese Aktivitäten fortgeführt, wenn auch mit erheblichen Einschränkungen durch die Finanzkrise, die Pandemie sowie den Folgen der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut am 4. August 2020.

Anstelle einer sinnvollen Reaktion des öffentlichen Sektors auf das krisenbedingte „Ausbluten“ wurden die meisten Hilfsmaßnahmen im Libanon von gemeinnützigen und internationalen Nichtregierungsorganisationen ausgeschüttet und durch Ad-hoc-Spendenaktionen aufgestockt. Das Metropolis gehörte zu den rund 20 Kultureinrichtungen, die vom Lebanon Solidarity Fund profitierten, einer vom Arabischen Fonds für Kunst und Kultur sowie Al-Mawred al-Thaqafi (Kulturressource) koordinierten Initiative, die auch vom Goethe-Institut gefördert wird.

„Ohne diese Unterstützung“, sagt Mroué, „wäre es sehr viel schwieriger weiterzumachen.“ Während der Solidaritätsfonds des Libanons Mittel für eine einjährige Unterstützung des Kernteams der Stiftung zur Verfügung stellt, ermöglichte der Internationale Hilfsfonds, die Ausrüstung anzuschaffen, die zur Umsetzung des neuen mobilen Kinoprojekts „Metropolis on Wheels“ benötigt wurde. Um „Tous au Cinema“ und „Cinema on the Road“ auch unter Einhaltung der Abstandsregeln fortzuführen, kommt es nun darauf an, das Metropolis vom klassischen Kinobetrieb zu wesentlich flexibleren Vorführungsmethoden umzurüsten. „Die Tatsache, dass wir derzeit keinen Veranstaltungsort in Beirut haben, ist auch eine Chance, neue Regionen zu erkunden“, sagt Mroué. „Wir wollen Vorführungen in den Vierteln Beiruts veranstalten, wo die Leute sonst nicht unbedingt ins Kino gehen. Zumindest nicht in unser Kino. Es muss uns aber darum gehen, nicht nur das loyale Publikum zu bedienen, sondern ein neues zu erschließen.“

Mroué will das Augenmerk auf libanesische Filme legen, insbesondere auf Titel, die das ganze Jahr über auf eine lokale Veröffentlichung warten mussten. „Wir wollen dazu beitragen, libanesische Filmemacher zu unterstützen. Ich glaube, dass das Interesse an libanesischen Filmen heutzutage größer ist. Es gibt sogar Dokumentarfilme, die für den aktuellen Kontext relevant sein könnten.“

Mroué glaubt, dass die Kooperation der libanesischen Kunstorganisationen von zentraler Bedeutung sein wird. Eine weitere Chance sieht Mroué in Vorführungen im Freien. „Man wählt nicht nur den Film aus, sondern bezieht auch die Nachbarn, die Kommune und den Veranstaltungsort mit ein.“ Es handele sich eben nicht nur um eine rein cineastische Veranstaltung. Vielmehr verleihe der Ort der Vorführung selbst dem Erlebnis eine ganz andere Note.

Wir drucken diesen Text mit freundlicher Genehmigung des Goethe-Instituts.