Es war am Sonntagabend um kurz vor sieben, als Bewohner eines Viertels in Tijuana, Mexiko, Schüsse hörten. Sie riefen die Polizei, die Lourdes Maldonado tot in ihrem Auto fand. Der Motor ihres roten Sedan lief noch, wie es auf der Webseite des örtlichen Mediums Zeta Tijuana heißt. Die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Baja California bestätigte ihren Tod. Mehrere Schüsse hatten die Journalistin ins Gesicht getroffen. Die Reporterin, die unter anderem für den Fernsehsender CNR arbeitete, hatte nach Medienberichten erst am vergangenen Mittwoch einen Gerichtsstreit gegen den Ex-Gouverneur des Bundesstaates, Jaime Bonilla, um ausstehende Gehaltsforderungen gewonnen. Der Politiker ist Gründer eines TV-Nachrichtensenders.

Im März 2019 hatte Maldonado in der täglichen Pressekonferenz des mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador – ein Parteifreund Bonillas – Fragen gestellt sowie mit Blick auf den Streit mit Bonilla erklärt und um Hilfe gebeten. „Ich fürchte um mein Leben“, sagte sie. Die Menschenrechtsorganisation Article 19 schrieb auf Twitter, Maldonado habe über Lokalpolitik und Korruption berichtet. Sie sei bereits zuvor wegen ihrer Arbeit Opfer von Aggressionen geworden, ihr sei deshalb staatlicher Schutz gewährt worden.

Am Montag vergangener Woche war ebenfalls in Tijuana der 49 Jahre alte Fotojournalist Margarito Martínez beim Verlassen seines Zuhauses erschossen worden. Und eine Woche zuvor war José Luis Gamboa, der Direktor eines Online-Portals, in der ostmexikanischen Stadt Veracruz erstochen worden. In beiden Fällen waren die Hintergründe unklar.

In Mexiko sind Politik und organisierte Verbrechen verstrickt

Mexiko gehört laut Reporter ohne Grenzen (ROG) weltweit zu den gefährlichsten Ländern für Medienschaffende – in keinem anderen Land, das sich nicht im Krieg befindet, werden so viele Journalisten ermordet. Die Verstrickung von Politik und organisiertem Verbrechen mache es lebensgefährlich, über sensible Themen wie Korruption oder Drogen- und Menschenhandel zu berichten, und lähme die juristische Verfolgung von Straftaten gegen Medienschaffende. „Journalist*innen werden systematisch bedroht, verschleppt oder ermordet. Viele flüchten aus dem Land.“ Die Medienlandschaft, vor allem der Fernsehsektor, ist laut ROG sehr konzentriert. Nur zwei Medienorganisationen gehören fast alle TV-Sender. Der Präsident Andrés Manuel López Obrador habe seit seinem Amtsantritt Ende 2018 die Bekämpfung der Korruption zu seiner Hauptaufgabe erklärt, aber bislang nicht ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt, um die Spirale der Gewalt zu stoppen. Stattdessen stellt er kritische Journalisten immer wieder öffentlich als Lügner dar.

Dazu herrscht nahezu vollständige Straflosigkeit: In 95 bis 99 Prozent der Morde an Journalistinnen und Journalisten bleiben die Drahtzieher unbestraft, und keiner der Fälle von gewaltsamem Verschwindenlassen der letzten Jahre wurde jemals aufgeklärt. (mit dpa)