Berlin - Das Leben ist so viel einfacher, wenn Geld fließt, und das Arbeiten erst! Es spart unendlich Kraft, Zeit und Nerven. Wie verbissen wurde im Land Berlin gestritten um kleinste Posten in der Kultur, manchmal mit harten Konsequenzen.

Die Berliner Symphoniker zum Beispiel brauchten einst für ihre Existenz als ganzes Orchester drei Millionen Euro – doch ihre Subventionen fielen einem früheren Sparhaushalt zum Opfer.

20 Millionen für die Philharmoniker

Drei Millionen Euro – das ist die Summe, um die sich ab 2018 die Zuschüsse für die Berliner Philharmoniker erhöhen, auf dann 20 Millionen Euro im Jahr. Das verdankt das Spitzenorchester dem neuen Hauptstadtkulturvertrag, der mit dem kompletten Hauptstadtvertrag am 8. Mai unterzeichnet werden soll.

Er stellt künftig 25 statt bisher zehn Millionen Euro für die Kultur der Hauptstadt zur Verfügung. Neben den über 600 Millionen für Bundesinstitutionen in Berlin, die ohnehin der Bund finanziert, wie etwa wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (siehe Info-Kasten).

Neu an dem Zehn-Jahres-Vertrag ist vor allem eins: Die Mischfinanzierung. Der Bund wird die Berliner Philharmoniker nicht übernehmen, aber ein Drittel ihrer Fördermittel zusteuern (sieben Millionen). Ähnlich, nur bescheidener, sieht der Plan bei der Opernstiftung aus. Zu der gehören die drei Opern, das Staatsballett und die Werkstätten, zusammen verbrauchen sie Subventionen von jährlich 141 Millionen Euro, nun legt der Bund noch zusätzlich zehn Millionen oben drauf.

Das klingt unübersichtlich, kompliziert und ist es auch. Geht es nicht einfacher? Na klar, aber hier wird Politik gemacht. In diesem Fall setzt die Kulturstaatsministerin Monika Grütters ihre Akzente. Sie hat Gründe für diese Kleinteiligkeit, einige liegen wohl etwas zurück.

Die Vorgeschichte

In den 2000er-Jahren versuchte Berlin seinen gewaltigen Haushaltsdefiziten mit Sparprogrammen zu entkommen. In der Kultur traf es vor allem die Opern, die größten Ausgabenposten. Die Vorschläge reichten von Zusammenlegung der Orchester, Schließung der Deutschen Oper, Umstellung auf En-Suite-Betrieb – jedes Konzept wurde streng durchgerechnet und ewig diskutiert.

Eine verweigerte sich Überlegungen dieser Art, das war die damalige Berliner CDU-Abgeordnete Monika Grütters. Auch einen Vorschlag des eigenen CDU-Kultursenators Christoph Stölzl lehnte sie streng ab. Ein Opernhaus ist ein unwiederbringliches Kulturgut und gehört von der Politik auskömmlich finanziert, so ihr Credo bis heute.

Unberechenbare Lokalpolitik

Keine Institution dürfte ihr näher sein als die Berliner Philharmoniker. Seit 15 Jahren im Stiftungsrat wollte sie den Solitär immer unter die Fittiche des Bundes bringen, Föderalismus und Länderzuständigkeit hin oder her. Das vielleicht beste Orchester der Welt sollte nicht unberechenbarer lokaler Politik ausgesetzt sein, das die Subventionen durch schwankende Lottomittel ergänzt.

Aber schon bei der Übernahme der Akademie der Künste und der Kinemathek gab es Beschwerden der Länder, das seien keine originär bundesrelevanten Einrichtungen. Natürlich will auch Daniel Barenboim mit seiner Oper am liebsten zum Bund. Nein, Wolfgang Schäuble, selbst ein großer Philharmoniker-Anhänger, lehnte das ab. So bekommen die Philharmoniker nun ihr Geld zu einem Drittel vom Bund. Und in Budgetfragen, schreibt der Vertrag vor, kann der Stiftungsrat nicht gegen die Stimme des Bundes entscheiden.

Begabte Strippenzieherin

Es ist immer eine Freude, wenn in Land oder Bund mehr Geld für die Kultur erobert wird, zumal es im großen Vergleich immer noch um kleine Summen geht. Und es war keine ausgemachte Sache, dass es Monika Grütters, eloquente Kunsthistorikerin, bürgerliche Kulturgenießerin und -Förderin beim Beschaffen von Geld mit ihrem Vorgänger, dem Strippenzieher Bernd Neumann, aufnehmen könnte. Sogar das ist ihr gelungen.

Damit setzt sie nun eigene Akzente. So fördert der Bund nicht nur wie bisher die Kunst, den Film, die Literatur, sondern eben auch die Musik.

Und der Hauptstadt, in jeder Beziehung unersättlich, ist natürlich jeder zusätzliche Euro hoch willkommen, da stört sich das Land doch nicht an Finanzkonstruktionen – bei den offenen Baustellen! Wenn es nur anständig damit umginge! Der letzte zusätzliche Geldsegen – 200 Millionen Euro für die Sanierung der Staatsoper – verführte Berlin zu einem größenwahnsinnigen Totalumbau des Hauses, schlampig geplant, doppelt so teuer, sieben Jahre Bauzeit statt drei. Ohne dass die Oper dann auch fertig wäre.

Kein Reinreden

Immerhin, der linke Berliner Kultursenator und die konservative Staatsministerin haben schnell zu Einigkeit gefunden bei diesem Vertrag, der freilich schon mit Klaus Lederers Vorgänger verhandelt worden war. Und Lederer lässt sich offenbar nichts vorsetzen, etwa von einem Haushaltsabgeordneten des Bundes, der ihm neben zwölf Millionen Sanierungskosten für die Alte Münze auch gleich das Konzept für ein House of Jazz mitliefern will.

Herrscht nun große Freude in Berlin? Na klar, bei Gebern und Nehmern, völlig zu Recht. Selbstverständlich wird man die neuen Bundes-Akzente nicht überall goutieren. Für Kulturminister armer Bundesländer, deren Haushälter Theater schließen und Orchester zusammenlegen, deren Häuser Mindestgage zahlen, wären schon kleinere Beträge die Rettung.

Brocken Humboldt-Forum

Aber das war nie Aufgabe des Bundes, wie auch nicht die Förderung von Berliner Musikern, das sind Zeichen besten Willens. Aber die gewaltigen Pflicht-Ausgaben kommen erst noch, das Budget für das Humboldt-Forum dürfte ein Brocken werden, allein die Betriebskosten.
Nun zu den Nebenwirkungen des Geldsegens.

Den Philharmonikern wird zu Recht Ausnahmestatus zugebilligt, angeblich sollen ihre Einkünfte nur an bayerische Orchestertarife angepasst werden. Doch gerade Orchestermusiker registrieren den wachsenden Abstand zum eigenen Gehalt ganz genau. Haben nicht gerade sie, die Besserverdiener unter den Opernmitarbeitern, schnell für höhere Gehälter gestreikt? Na klar. Und hat nicht genau deswegen Daniel Barenboim einst bei Gerhard Schröder knapp zwei Millionen Euro jährliche Kanzler-Zulage erstritten, damit seine Kapelle konkurrieren kann? Doch.

Vorher rechnen!

Das Extra bleibt, die neue Bundes-Zulage wird unter den vier Ensembles aufgeteilt.
Bedarf wäre schon da. Die Deutsche Oper ist unterfinanziert, das Ballett bekommt eine Doppelspitze, die Staatsoper ganz neue Betriebskosten. Die sanierte Oper nämlich hat unter anderem einen teuren klimatisierten Tunnel und muss ihre Bühnenbilder künftig von weit her ankarren. Das alte Magazin ist ja jetzt eine Akademie. Hat das vorher mal jemand durchgerechnet? Die Frage kam im Untersuchungsausschuss zur Staatsoper auf, gestellt ausgerechnet von Klaus Wowereit.

Das Leben ist leichter, wenn Geld fließt, natürlich. Der Streit darum muss nicht ausbleiben.