Berlin - Manche Dinge vergisst man nie – den ersten Rausch, die erste unglückliche Liebe, den ersten richtigen Job. Auch Abitur- und  Führerscheinprüfung hinterlassen ein Leben lang bleibenden Eindruck bei uns, sie sind die Wegmarken unserer Adoleszenz. Bei mir kommt noch der erste Besuch einer Minigolfbahn hinzu.

Es war während eines Schulausflugs, der für mich mit einem Besuch in der Notaufnahme im Krankenhaus der nahen Kreisstadt endete: Ein Mitgolfer hatte den Schläger so voller Leidenschaft und jugendlichem Eifer geschwungen, dass ihn nicht einmal mein Kinn aufhalten konnte – ich hatte hinter dem Spieler gestanden und er mich mit ordentliche Schwung ausgeknockt. Ich habe es überlebt, doch meine noch frische Beziehung zum Minigolf war fortan getrübt.

Minigolf ist nie anstrengend

Bis ich nach Berlin zog und einmal für eine Reportage einen herrlich angeheiterten Sommernachmittag in der Minigolf-Anlage in der Hasenheide verbrachte. Ich lernte die Vorzüge dieser Miniatursportart kennen – Minigolf muss man konzentriert spielen, nur mit Lust am Kniffligen erreicht man, dass der Golfball klackernd sein Ziel erreicht, elegante Loopings schlägt und Hürden überwindet. Dabei ist Minigolf nie so anstrengend, dass man nicht gleichzeitig seinen sozialen Pflichten nachkommen könnte. Mit anderen Worten, man kann dabei die ganze Zeit quatschen.

Wer einmal beim großen Bruder, dem Golfspiel, war, der weiß, dass das eine Sportart ist, die mit großem Ernst und ohne viel Gequassel betrieben werden muss. Golf ist zu anstrengend, die Wege sind zu lang, das Schlagen ist zu anspruchsvoll, als dass man noch Zeit finden würde, Anekdoten auszutauschen. Welch Wohltat hingegen das kleinere und feinere Minigolf.

Minigolf: Spiel auf befestigten Bahnen

Dabei ist die Bezeichnung Minigolf genaugenommen ein Sammelbegriff für alle möglichen Formen des Bahnengolfs, also eigentlich den kleineren Varianten des Golfsports. Man könnte sagen, dass sich Minigolf zum Golf verhält wie der Schrebergarten zum Landschaftspark – Minigolf ist ein Sport für jedermann und in dieser Beziehung sehr berlinerisch, basisdemokratisch, günstig und absolut unprätentiös.

Gespielt wird Minigolf nicht auf großen Rasenplätzen oder aufwendig gestalteten Anlagen, sondern auf befestigten Bahnen. Der Ablauf entspricht genau genommen dem letzten Schlag auf dem Golfplatz – dem Einlochen des Balls in das Zielloch.

Wobei es zwischen Minigolf und Miniaturgolf zu unterscheiden gilt, auch wenn sich die Bahnen mit je einer Länge von 6,25 Metern und einer Breite von 0,90 Metern gleichen. „Beim Minigolf sind alle 18 Bahnen in Gestaltung und Reihenfolge festgelegt, eine Miniaturgolfanlage dagegen besteht aus 18 Bahnen in beliebiger Reihenfolge aus einer Auswahl aus 25 genormten Bahnen, nur die Bahnen Blitz und Rechter Winkel müssen vorhanden sein“, weiß das Internet.

In Berlin gibt es dutzende Minigolf-Bahnen

Daneben gibt es weitere Varianten: Cobigolf etwa, bei der die Spieler den Ball erst durch ein oder zwei Törchen spielen (ähnlich dem Krocketspiel), bevor er eingelocht werden kann. Oder Sterngolf, bei dem auf rund acht Meter langen Betonbahnen gespielt wird. Und schlussendlich das Filzgolf, bei dem die 18 Bahnen mit einem speziellen Belag versehen sind.

Am bekanntesten hierzulande dürfte wohl die klassische Minigolf-Variante sein. Allein in Berlin gibt es Dutzende Bahnen, eine der ältesten dürfte die aus dem Jahr 1959 stammende des Restaurants Brachvogel in Kreuzberg sein. Vergleichsweise jung sind Indoor-Anlagen mit Schwarzlicht, auf denen es sich auch bei Regen vortrefflich einlochen lässt; alternativ kann man dort den Grusel einer in Neonfarben leuchtenden Bahn mit Technoparty-Atmosphäre wählen.

Dabei gelten auch für Minigolf-Anlagen recht strenge Regeln, was den Ablauf des Spiels und die Gestaltung der einzelnen Bahn anbelangt: „Durch die Standardisierung sollte es theoretisch möglich sein, jede Bahn mit einem Ass, das heißt, mit einem einzigen Schlag zu bewältigen“, heißt es auf einschlägigen Internetseiten.

Minigolf: So funktioniert es

In der Praxis gibt es im Grunde nur eine wichtige Aufgabe, die der ambitionierte Minigolfer erfüllen muss, um das Spiel zum Erfolg zu führen: „Das Ziel des Spiels ist, den Ball mithilfe des Schlägers mit möglichst wenigen Schlägen in das Loch zu bewegen.“ Wer einmal Minigolf gespielt hat, der weiß, dass dies schwieriger ist, als es klingt.

Integrierte Hürden auf den Bahnen, Tunnels, Steigungen, Senken, Loops und andere Hindernisse erschweren das Spiel aufs Vergnüglichste, und so braucht der Spieler oft große Geduld, Konzentration und Fingerspitzengefühl, um den Ball mit wenig Schlägen ins Loch zu bugsieren.

Wichtig sind natürlich ein ordentlicher Schläger und die richtige Körperhaltung. Aber keine Sorge, nach ein paar Bahnen findet sich diese wie von selbst und dem ungetrübten Spaß steht nichts im Wege. Außer den Hindernissen.