Was darf nicht fehlen beim Minigolf? Die Hollywoodschaukel. Sie ist gewissermaßen die Bahn 19 eines Platzes, die Belohnung. Und das gar nicht unbedingt deshalb, weil man sich beim Spielen so verausgabt. Nein, sie ist krönender Abschluss.

Ihr Swing gehört einfach in diese kleine, heile Feierabendwelt, findet Frank Terhorst, der Betreiber von Hertzberg Golf in Neukölln. Genauso wie ein Blumengesteck und ein Deckchen auf jedem Gartentisch. Ein „Dujardin“-Aschenbecher.

Mit Hollywoodschaukel aus den Sechzigern

Seit Jahren bietet Terhorst all das seinen Gästen am Hertzbergplatz, er hat die Anlage liebevoll hergerichtet. Auch auf einem zweiten Minigolfplatz am Stadtpark Steglitz, den er soeben als Betreiber übernommen hat, stellte er als Allererstes eine Sechzigerjahre-Hollywoodschaukel auf. Ehrensache.

Das alles ist schließlich auch eine Art Ehrenrettung, die er betreibt. Minigolfanlagen, von denen es zumindest in den westlichen Stadtteilen noch sehr viele gibt – eigentlich an jedem Stadtpark eine –, sind derzeit nicht unbedingt Jugendkultur.

Viele Plätze laufen nur so lala. Man braucht Geduld für 18 Bahnen, das ist heute nicht immer angesagt. Dennoch ist da offenbar ein stabiler Kern von Leuten, die irgendwann einmal einen Schläger in der Hand hatten und die es nicht auf ewig abgeschreckt hat, wenn sie etwa auf dieser verflixten Bahn mit dem Netz völlig versagt haben.

„Minigolf steckt drin in vielen“, dachte sich Terhorst, der 49 ist. Vor fünf Jahren konnte er die Neuköllner Anlage an der Sonnenallee Ecke Treptower Straße pachten, da lag alles ziemlich brach. Den Parcours aus 18 Bahnen und die Bude renovierte er selbst. Er schraubte viele Dinge ab – aber auch wieder dran, denn er hat ein Faible für bewährte Sachen.

Raffinesse und sportlicher Ernst

So blieb der Charme erhalten, ein Mix aus Omis Gartenlokal und Campingplatz. Hertzberg Golf ist ein Vorzeige-Retro-Platz. Die Sitzbänke und Blumenkästen sind original, genauso die aufgestakten Tischchen an jeder Bahn, auf die man den Zähl-Block legt und auf die gleichzeitig ein Hinweis draufgemalt ist, über welche Bande man am besten spielt.

Jeden Tag im Sommer ist der Platz voll, es kommen unter anderem Stammgäste, die den Ort als Biergarten nutzen dürfen. Essen selber mitzubringen, ist erlaubt, Getränke gibt es an der Bude. Viele Geburtstage werden hier gefeiert. Für 3,50 Euro pro Kopf leiht man sich den Schläger aus, dazu gibt es einen Satz von vier Bällen: in lila, orange, gelb und schwarz, jeder bekommt seinen speziellen Einsatz auf einer der Bahnen.

So viel Raffinesse und sportlicher Ernst müssen sein, auch wenn die meisten Spaß-Spieler seien, wie Frank Terhorst sagt. Er zählt sich selbst dazu und bezeichnet sie als „die Glücklichen“. Die anderen Kunden, die mehr wollen und mit eigenem Equipment kommen, sind „die Könner“. Auf einer Tafel stehen die Rankings. Die Glücklichen führt Laura mit 31 Punkten an, sie schaffte 18 Bahnen mit ebenso vielen Schlägen. Bei den Könnern liegt Sascha mit 23 vorn. Eine ziemlich gute Feierabendleistung.

Dafür müssen – altmodischer Charme hin oder her – die Spielflächen in Schuss sein. Der Chef auf dem Platz, der ein gelernter Mechaniker ist, hat alle Eternitbahnen neu ausgelotet und geebnet. Sie können mithalten mit neueren Anlagen.

Für Terhorst war diese „Rolling Renovation“, das Erneuern im laufenden Betrieb, sogar irgendwie beruflicher Alltag. Er war jahrelang Logistiker für „Ärzte ohne Grenzen“, meistens in Projekten in Afrika, wo er stets „ein Provisorium aus dem anderen entwickeln musste“. Eine andere Arbeitsweise, sagt er, würde ihm schnell zu langweilig. Daher hat er nun auch den zweiten Platz in Steglitz. Da ist noch viel zu richten.

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Hertzberg Golf Sonnenallee 165, Neukölln.
Im Moment Di–So 11–22 Uhr geöffnet.