Juni 1990: Autokino in Zempow im Norden Brandenburgs.
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BrandenburgDie Luft war kühl, aber die Sonne rief eine Ahnung von Frühling hervor, als wir im brandenburgischen Dorf Zempow für einen kurzen Spaziergang anhielten. Schon beim Öffnen der Fahrzeugtüren beschlich uns das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun. Keine Menschenseele war um die Mittagszeit unterwegs, wir kamen uns wie Eindringlinge vor, die im Verdacht standen, das Virus aus der großen Stadt einzuschleppen. 

Die Schuldfantasie hatten wir gleich selbst mitgebracht. Das Hinweisschild eines Ladens, der Honig und andere regionale Produkte im Angebot führt, verwies auf Sicherheitsvorkehrungen und begrenzte Öffnungszeiten während der Corona-Krise. Man hielt sich also auch hier an die Verordnungen. Vor der Kirche bemerkten wir ein Kriegerdenkmal, das an die einheimischen Gefallenen beider Weltkriege erinnerte. Bald gelangten wir zu einem sorgsam gepflegten Friedhof, auf dem sich das Grab des 2017 verstorbenen Heinz Mögelin befand. Auf einem Schild an der Hauptstraße hatten wir gelesen, dass er in den 70er-Jahren einmal eine Berühmtheit war.

Seine Idee jedenfalls, in Zempow ein Auto-Kino zu errichten, hatte über die Umgebung hinaus für Aufsehen gesorgt. Das Autokino Zempow war das erste seiner Art in der DDR, Wartburg und Trabant fuhren hier über die Wiese, um die populären Filmklassiker der Zeit von der privaten Kabine aus zu sehen. Wir alberten darüber, dass das Autokino demnächst wohl vor einer Renaissance stehe. Das Autokino Zempow jedoch hatte vor wenigen Jahren seinen Betrieb eingestellt.

Wir gingen ein paar Schritte und fanden das Kino-Gelände, das später oft auch für einen Trödelmarkt genutzt wurde, direkt gegenüber den Stallungen und Weiden eines Viehzuchtbetriebes. Die Stille und Schönheit des Dorfes jedoch verstörte mehr, als dass sie erfreute. Fast schien es, als sei gerade hier die Gegenwart des Virus zum Greifen nah.