Anfang März 1963 ist Hans Rodenberg, der Stellvertretende Minister für Kultur der DDR, zur Kur in Bad Liebenstein. Im Gepäck hat er ein Drehbuch, das der Schriftsteller Günter Kunert und der Regisseur Günter Stahnke für die Defa verfasst haben. Es ist eine Satire frei nach Mark Twains „Ein Yankee an König Artus' Hof“, die den Stoff bis in die Gegenwart fortschreibt, ein Zerrspiegel des American Way of Life.

Doch Rodenberg hat für den galligen Witz keinen Sinn, er entdeckt vielmehr Pornografie, Sadismus, naturalistische Banalität. Am 14. März schreibt er an Defa-Direktor Jochen Mückenberger: „Es ist physisch widerlich, dieses Buch zu lesen.“ Und: „Ich weise Sie an, die Arbeit an diesem Stoff abzubrechen.“ Zugleich fordert er, dass die Defa die Kooperation zwischen Kunert und Stahnke sofort einzustellen habe und „keinen weiteren gemeinsamen Stoff innerhalb des Spielfilmstudios“ zulassen solle.

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