Die Deutschen tun sich schwer mit Uniformen – das hat mit unserer Geschichte zu tun und der aus ihr resultierenden Skepsis gegenüber allem, was im entferntesten dem Militarismus entsprungen sein könnte. Es gibt aber auch das Grundgesetz, das jedem das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit garantiert – auch Kindern. Schulen dürfen in Deutschland deshalb nicht einfach so das Tragen von Schuluniformen verordnen. Wo sie es doch tun, ist die strikte Kleiderordnung meist Modellversuch oder wird alle paar Jahre aufs Neue auf den Prüfstand gestellt.

Kritiker und Befürworter haben es dabei beide schwer. Wenn es mal wieder eine neue Studie gibt, wie jüngst von der Bertelsmann-Stiftung, die Kinderarmut in Zusammenhang mit Mobbing bringt, scheint es so einfach: Wenn Schüler ausgegrenzt werden, weil sie nicht die richtigen Turnschuhe, Sweatshirts, Jeans tragen, liegt es nahe, einfach allen Kindern das Gleiche anzuziehen. Andererseits: Es gibt nicht nur Studien, die belegen, dass Mobbing tatsächlich abnimmt, wenn Schüler in Uniform im Klassenzimmer sitzen – es gibt auch ebenso viele, die überhaupt keinen Zusammenhang finden. Es würden einfach andere Dinge zu Statussymbolen: das Handy, das Fahrrad, die Uhr. Und nicht nur in Afrika können sich gerade die Ärmsten die Uniformen kaum leisten – in Japan machte ein Schulleiter gerade Armani zum Ausstatter seiner Schüler. 600 Euro müssen die Eltern pro Kind ausgeben.

Was ist wichtiger? Kindern den Raum für Individualität zu lassen, sie also das tragen zu lassen, was ihnen gefällt? Oder ihnen das Gefühl zu geben: Wir haben dieselbe Uniform, wir gehören zusammen; nicht unsere Kleidung definiert, wer wir sind, sondern unser Charakter – und unsere Leistung.

Sollte man schon den Kleinsten durch Kleidervorschriften ein Gefühl für Ordnung und Professionalität geben, um sie so aufs Berufsleben vorzubereiten? Oder werden Kinder mit der Uniform auch in Geschlechterrollen gezwungen – mit biederen Faltenröcken hier und schlecht sitzenden Sakkos da?

Es gibt auf diese Fragen nicht die eine Antwort. Und keine Schule wird ihre Probleme allein durch eine Uniform lösen. Wobei eine Sache sofort leichter wird: die morgendliche Suche nach dem richtigen Outfit für den Schultag.