Die Designerin Anja Gockel zeigt sich mit Mundschutz und Models nach ihrer Modenschau der Sommerkollektion 2021 im Adlon.
Foto: dpa/Jens Kalaene

BerlinIn den Asterix-Geschichten ist es ein unbeugsames Dorf von Galliern, das nicht aufhört, den römischen Besatzern Widerstand zu leisten. Es ist und bleibt immer da, so sehr es von den Römern auch drangsaliert wird. Angesichts ihres Firmenzeichens, eines Gockels, der auch ein gallischer Hahn sein könnte, muss die Modedesignerin Anja Gockel, deren Schauen seit Jahren mit einem großen Kikeriki beginnen, sich diesen Vergleich gefallen lassen. Und sie spielt in Sachen Unbeugsamkeit ja durchaus mit den Galliern in einer Liga: Weder die Corona-Krise noch die damit begründete Absage der Fashion Week konnten sie davon abbringen, am Dienstag ihre traditionelle Show im Adlon zu zeigen. 

Statt der in den vergangenen Jahren üblichen 600 Gäste konnte sie diesmal nur 200 empfangen und musste diese wegen der Abstandsregeln auch auf zwei Schauen um 15 und 19 Uhr verteilen. Dementsprechend luftig standen die Stühle am Laufsteg, zu dem das Adlon-Foyer mit seinem Elefanten-Brunnen wieder umfunktioniert worden war. Totale Vereinzelung, sogar Gäste, die in Begleitung gekommen waren, saßen separat. Nur Nina und Julia Meise, die Zwillinge aus der Pharma-Werbung, wollten das nicht akzeptieren. Sie schoben ihre Stühle zusammen und begründeten das mit absolut zwingender Logik: „Wir schlafen in einem Bett!“

Sie bekamen neben der Asuka-Kollektion (übersetzt heißt das „der Duft von morgen“) von Anja Gockel auch fünf Entwürfe von Lana Müller zu sehen. Anja Gockel war angesichts der Absage der Fashion Week offen: „Ich habe fünf meiner Designerkollegen angesprochen, ob sie mitmachen wollen, Lana hat zugesagt.“ Für die kam die Einladung überraschend: „Wir kannten uns vorher nicht. Ich hatte zwar schon zwei von Anjas Shows gesehen, aber nie mit ihr geredet.“

Models präsentieren mit Mundschutz Mode von Anja Gockel auf der Fashion Show der Sommerkollektion 2021 „Asuka – der Duft von morgen“ im Hotel Adlon.
Foto: dpa/Jens Kalaene

Anja Gockel, deren Firma ihren Hauptsitz in Mainz hat, wo sie auch lebt, hat das Motto ihrer neuen Show „Nimm den Schlag als ein Geschenk“ dem Aikido entlehnt. „Das widerspricht total unserer westlichen Denkweise. Aber es passt gerade wahnsinnig gut.“ Unter den Models, die ihre Modelle präsentierten, war auch Jacqueline Wruck, die diesjährige Gewinnerin der Mädchendrillshow „Germany‘s Next Topmodel“.

Die Designerin, die ihre Firma auch mit einer flott aufgezogenen Maskenproduktion über die vergangenen Monate retten konnte, war während der besonders scharf eingeschränkten Pandemie-Wochen absolut nicht bereit, pessimistische Nachrichten entgegenzunehmen: „Den Leuten im Adlon, die mich bei meinen Shows schon seit Jahren so wunderbar unterstützen, habe ich am ersten Tag des Lockdowns gesagt, dass sie mir keine Mails schicken sollen, in denen steht, dass es nichts wird. Weil es nämlich wird!“ Und es wurde ja tatsächlich.

Die Atmosphäre der Show unterschied sich deutlich von den sieben Shows im Adlon zuvor, wie Anja Gockel feststellen musste: „Die Ruhe am Anfang war schon fast gespenstisch.“ Lana Müller freute sich, dass das Abstandhalten sofort funktionierte: „Ich glaube, langsam haben es alle verstanden.“ Anja Gockel zieht aus den Begleitumständen der Corona-Pandemie vor allem eine Konsequenz: „Nie wieder allein, immer nur gemeinsam!“

Moderatorin Tanja Bülter war froh, endlich mal wieder bei einer Modenschau in der ersten Reihe sitzen und frische Mode begutachten zu können. Sie bewundert Anja Gockel: „Es ist absolut bemerkenswert, wie lange sie sich schon in dieser schwierigen Modebranche hält, man hat in der Zwischenzeit ja schon viele kommen und gehen sehen. Sie schafft es, mit ihrer Mode eine kaufkräftige Klientel zu binden, ihr gelingt aber auch immer wieder, mit spektakulären Entwürfen auf dem Laufsteg zu begeistern.“ Für die Moderatorin waren die ersten Wochen der Corona-Zeit besonders lässig: „Die habe ich zu Hause in einem gewissen Flodder-Look verbracht. Aber irgendwann fing ich wieder an, mich zu schminken und mich bürofein anzuziehen, was positive Auswirkungen auf meine innere Haltung und dann auch auf meine Produktivität hatte.“ Der Kreativitätsschub brachte ihr mit „VIPstagram“ eine neue Sendung bei RTL.de.