Berlin - Diese Stadt ist ein mittelalter weißer Dude mit einem mächtigen Bart, Achtziger-Brille und Neunziger-Kappe vor einem Kebabladen. Gleich wird er ersetzt werden: durch das Bild eines Baums im Herbstlicht, dann durch eine Frau mit asiatischen Wurzeln in Achtziger-Fotoästhetik. Über 45 Millionen Fotos tragen die Raute mit dem Schlagwort Berlin in der Bildunterschrift. Sie alle kommen zusammen, sucht man auf Instagram nach „#berlin“.

Und minütlich kommen mehr. Die Bilder erlauben ein Flanieren durch die Stadt, ohne das Bett zu verlassen: Quarantäne-Flanage. Aber mehr noch: Flanieren durch die Assoziationen, die Menschen mit der Stadt verbinden, und durch Egos, die sich an Berlin ketten, weil es Algorithmen-Analysen empfehlen; weil eine Kategorie, die über 45 Millionen Beiträge fasst, Wahrnehmung verspricht, für diejenigen, die den Hashtag unter das eigene Bild setzen. Also: Refreshen, gelangweilt bleiben im Strom der Bilder, tausende ignorieren, an einzelnen hängenbleiben, Fokus setzen. Kulturlockdown und Kälte: Stadtleben im kollektiven Virtuellen.

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