Ein Greyhound bei einem Windhundrennen.
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BerlinEs hat einiges an Kritik und Brandbriefen mit düster ausgemalten Kahlschlagszenarien gebraucht, bis die Kulturstaatsministerin das Konjunkturprogramm „Neustart Kultur“ aufgelegt hat. Der Bundestag hat es Anfang Juli beschlossen. Seitdem  wurde sie sehnsüchtig und ungeduldig erwartet, die sogenannte Grütters-Milliarde. Hier stehen Kultureinrichtungen im Fokus, die überwiegend privat finanziert werden und aufgrund von Corona gelitten haben.

Wie die Milliarde genau verteilt wird, wurde am Freitag für zwei Bereiche bekannt gegeben: 27 Millionen gehen an Musikclubs und Livemusik-Spielstätten. Sie können Unterstützung für die Wiederaufnahme des Betriebs beantragen, für Nachwuchsförderung und sogar für Gleichstellung der Geschlechter. Alles pandemiegerecht natürlich.

Die Vergabe der Fördermittel erfolgt nach dem „Windhundverfahren“

Verlage und Buchhandlungen bekommen 20 Millionen, sie können Druck- und Produktionskostenzuschüsse für eine Neuerscheinung beantragen. Buchhandlungen erhalten auf Antrag finanzielle Unterstützung für die Digitalisierung ihrer Vertriebswege. Die Frankfurter Buchmesse 2020, zu der übrigens nur ein Bruchteil der üblichen Aussteller kommt (nämlich zehn Prozent, um genau zu sein) bekommt zusätzlich vier Millionen Euro.

Eine Milliarde? Das klingt schon gut. Auch wenn man jetzt anmerken könnte, dass das Rettungspaket für die Lufthansa neun Milliarden enthielt. Doch schon jetzt ist klar, dass das Geld nicht für alle reichen wird. 150.000 Euro etwa kann ein Musikclub beantragen. Da sind 27 Millionen schnell weg.

Die Vergabe der Fördermittel erfolgt nach dem „Windhundverfahren“. Übersetzt bedeutet das: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Und es bedeutet auch: Wer zu spät kommt, der mahlt vielleicht gar nicht, geht also leer aus. Für den Zugang zu der begrenzten Ressource „Geld für die Kultur“ ist allein der Zeitpunkt ausschlaggebend, zu dem der Antrag gestellt wird, nicht aber, wie nötig die Unterstützung gebraucht wird. Also: Auf die Plätze, fertig, los!