Vati, nicht Papa, genannt zu werden, war dem Mann, um den es in diesem Buch geht, sehr wichtig. Auch Mutti sollten die Kinder sagen. „Unser Vater wollte es so. Weil er meinte, es klinge modern.“ Kurze, konstatierende Sätze schreibt Monika Helfer hier. Den Widerspruch schickt sie gleich hinterher: „Modern war unsere Mutter nicht. Sie stammte aus dem hintersten Wald, ihre Brüder waren die wildesten Typen.“ Viele Menschen, die den Roman „Vati“ lesen, kennen Grete und ihre Brüder schon. Sie ist in Helfers Vorgängerbuch „Die Bagage“ das Kind, das ungeliebt aufwächst.

Monika Helfer, die seit Mitte der 1980er-Jahre Erzählungen und Romane und Kinderbücher veröffentlicht, erfuhr im Jahr 2020 so viel Beachtung wie kaum je zuvor, „Die Bagage“ stand über Monate auf den Bestsellerlisten. Das neue Buch bringt der Verlag in ähnlicher Aufmachung heraus, wieder ist ein Gemälde Gerhard Richters auf dem Titel, wieder mit einer undeutlichen Figur. Monika Helfers literarische Methode jedoch ist diesmal eine andere, spielt sie doch schon selbst eine kleine Rolle in der Geschichte. Helfer kann zum Teil aus der eigenen Erinnerung schöpfen und sie hat Zeugen, die nicht nur Erzähltes wiedergeben, sondern Erlebtes. Und das hat seine eigene Intensität. 

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