Das Monterey Pop Festival vom 16. bis 18. Juni 1967 gilt als Initialzündung der heutigen Pop- und Rockmusik. Auf dem Höhepunkt des „Summer of Love“ traten nicht nur neue Künstler auf, die Musik der Open-Air-Veranstaltung wurde wegweisend für die gesamte Jugendkultur.

Nicht in Woodstock – wie viele glauben – fand das erste Rockfestival statt, bereits gut zwei Jahre zuvor kamen auf dem County Fairground im kalifornischen Monterey südlich von San Francisco drei Dutzend Bands zusammen, um hier das neue Lebensgefühl aus einer Mixtur von Stilen und Klängen zu zelebrieren.

Zu den Höhepunkten gehörten die Auftritte von Rockröhre Janis Joplin mit Big Brother and the Holding Company, Soulsänger Otis Redding, „Gitarrengott“ Jimi Hendrix und den britischen Mod-Rockern von The Who. An drei Tagen strömten 90.000 Fans aufs Gelände – das musikalische Pendant zur Hippiebewegung hat hier seinen Ursprung.

Die Pop-Revolution

Die Idee für das Festival entstand im Frühjahr 1967. Cass Elliot diskutierte mit ihren Folkbandkollegen Michelle und John Phillips von den The Mamas and The Papas und dem Produzenten Lou Adler sowie Paul McCartney über die „generelle Wahrnehmung“ der Rock ’n’ Roll-Musik. Während der Jazz sich als Kunstform etabliert hatte, galt die aktuelle Rock- und Popmusik nur als „eine Modeerscheinung, ein kurzlebiger Trend“. Ein Monterey Jazz Festival bestand bereits, warum sollte nicht auch eine Veranstaltung, die eine Mischung aus Rock, Blues und Soul bot, ebenso erfolgreich sein?

„Nachts um drei   fassten John und ich den Entschluss für ein dreitägiges Konzert“, erinnert sich der inzwischen 83-jährige Adler. Alle Künstler verzichteten auf ihre Gage, lediglich Flug- und Hotelkosten wurden übernommen. Der Gewinn kam – schon ganz im Zeichen der Hippiebewegung – karitativen Zwecken zugute. Die Künstler sollten möglichst alle Genres der zeitgenössischen Musik repräsentieren.

Dabei waren unter anderem Jefferson Airplane, The Byrds, Steve Miller Band, Electric Flag, Butterfield Blues Band, Canned Heat, Eric Burdon und die Animals, Simon und Garfunkel und der indische Sitarvirtuose Ravi Shankar. Die Beatles, die Rolling Stones, die Beach Boys und Cream sagten ab. Stones-Gitarrist Brian Jones kündigte jedoch auf der Bühne den Auftritt von Hendrix an.

„Was damals begann, war die Durchdringung der Welt mit Pop“, stellt Musikjournalist Ernst Hofacker in seinem im letzten Oktober unter dem Titel „1967 – Als Pop unsere Welt für immer veränderte“ erschienenen Buch fest. Ausgerechnet inmitten des Hippie-Hypes wurde der Pop von der Konsumindustrie vereinnahmt, die Entwicklung war nicht mehr aufzuhalten. 

Zudem findet auch ein Paradigmenwechsel statt: „Bis dahin war Jugend vor allem mit dem frustrierenden Status des Noch-nicht-erwachsen-Seins verbunden“, meint Hofacker. Dabei habe gerade die populäre Musik eine wichtige, neue Funktion übernommen. Langsam setzte sich auch in der populären Musik ein neues Frauenbild durch, verkörpert durch Jefferson Airplane-Sängerin Grace Slick, durch Janis Joplin oder Aretha Franklin: selbstbewusst, fordernd, intelligent und kreativ.

Neuauflage des Festivals

Auch andere Bereiche wandeln sich, Studenten protestieren gegen den Vietnamkrieg, in den USA kommt es zu Märschen für mehr Bürgerrechte. In Monterey ist all das noch weit entfernt. Am dritten Konzerttag donnern die Who ihre Instrumente in die Verstärker, Jimi Hendrix bearbeitet seine Gitarre leidenschaftlich hinter dem Rücken, über Kopf oder mit den Zähnen. Zum Finale von „Wild Thing“ zündet er sie an, schmettert sie mehrfach auf den Boden und wirft die Überreste in die Menge.

1967 endete der kurze „Sommer der Liebe“ schon am 6. Oktober, damals wurde in San Francisco ein Flower-Power-Jünger symbolisch zu Grabe getragen. Doch jetzt können zum 50. Jahrestag des Festivals nicht nur Alt-Hippiesnach Monterey zurückkehren: Vom 16. bis 18. Juni treten dort unter anderen Jack Johnson und Norah Jones auf. Neben weiteren Bands sind auch einige der Originalinterpreten mit dabei, darunter Eric Burdon und die Animals, Booker T. Jones und die Stax Revue (sowie Phil Lesh, der 1967 Bassist bei Grateful Dead war. Etwa 30.000 Fans werden erwartet. Ein kurzer Moment der Liebe.