Die Besetzung von „Spamalot“ auf Mission im Schlosspark-Theater
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BerlinDas Pferd Patsy (Julia Fechter) imitiert mit ihren Kokosschalen nicht nur das Getrappel ihrer Hufe. Mit einem Teleskopstab hält die treue Begleiterin von König Artus (Tom Quaas) die Paare auf der Bühne auf Abstand. Nur Patsy darf eng bei Artus bleiben: Sie gehört zu seinem Haushalt.

Das Musical „Spamalot“, basierend auf dem Filmklassiker „Die Ritter der Kokosnuss“, setzt nicht nur auf den besonderen Humor der Monty-Python-Truppe, sondern kann zugleich die Absurditäten der Abstandsregeln vorführen. Das Stück, geschrieben von Monty-Python-Mitglied Eric Idle, 2004 uraufgeführt am Broadway, ist seither in vielen Ländern gespielt und oft an regionale und aktuelle Besonderheiten angepasst worden.

So gehen die vertrottelten Ritter von König Artus’ Tafelrunde weiter auf die Suche nach dem Heiligen Gral. Hausherr Dieter Hallervorden als Stimme Gottes befielt ihnen aus dem Off, nicht nur sinnlos herumzublödeln – und setzt ein „Palim, Palim“ drauf. Ob der Schwarze Ritter des Todes, der auch ohne Arme weiterkämpfen will, das Killer-Kaninchen oder die „Heilige Handgranate“ – alles ist so verrückt wie im Original. Doch ungleich schwieriger ist ja die eigentliche Mission: Ein Publikum zum Lachen zu bringen, das so weit auseinander sitzen muss, dass man sich so verloren fühlt wie in einem finsteren Wald im alten Britannien.

Die Version, die Regisseur Marten Sand schon auf dem Seefestival in Wustrau gespielt hat und nun ins Schlosspark-Theater bringt, ist aber alles andere als eine Corona-Spar-Variante. Opulent wirkt schon der Aufwand der Kostüme. So tauchen Jeannette Nickel und Tanja Müller in neun verschiedenen Rollen auf, verjagen die tumben Ritter mal als Cancan-Tänzerinnen, mal als sprechende Bäume. Wie im „echten“ Musical werden große Show-Szenen arrangiert, in denen Antje Rietz, erst als „Fee aus dem See“, dann als gelangweilte Diva mit Scat-Einlagen und Jodel-Exzessen die Ritter betört – während der Zuschauer sich schon darüber freut, dass hier acht Künstler gleichzeitig auf der Bühne stehen und singen dürfen. Julia Fechter springt nicht nur als wunderbar graziöses Pferdchen durch die Mittelalter-Kulisse, sondern singt auch jenen Klassiker, den Eric Idle einfach aus der Jesusfilm-Parodie „Das Leben des Brian“ nach „Spamalot“ übertragen hatte: „Always Look On The Bright Side of Life“.

Die komplette Besetzung scheint beseelt von der besonderen Mission, kämpft, als ginge es ums Ganze. Und der Heilige Gral ist schließlich, so viel sei verraten, nicht etwa ein güldener Kelch oder Gottes verbummelter Becher, sondern ein Mittel, das nicht nur die Theater erlösen könnte: Ein Impfstoff gegen Corona.

Monty Python’s Spamalot: 15./16.8. und 21.-23.8. 20 Uhr (sonntags 18 Uhr) im Schlosspark-Theater