Selten begegnet die Kamera Tieren mit Empathie. Die übliche Tierdokumentation appelliert an den Sinn für das Niedliche und Drollige. Man will das Tier dann knuddeln oder belächeln. Nicht alle Tiere eignen sich gleichermaßen. Wer will schon Insekten knuddeln? Und doch gelingt es Markus Imhoof in „More Than Honey“, beim Zuschauer große Anteilnahme für seine Hauptdarsteller zu wecken: Es sind Bienen. Wenn die Bienen aussterben, stirbt der Mensch vier Jahre später aus, soll Albert Einstein gesagt haben. Immerhin machen Bienen nicht nur Honig, sondern sind über Bestäubung an der Herstellung eines Drittels der menschlichen Nahrung beteiligt.


Das weltweite Bienensterben sei ein Mysterium, hieß es lange. Imhoof ist den Ursachen in den USA, China und der Schweiz nachgegangen – sie sind nicht sonderlich geheimnisvoll. Natürlich hängen sie mit unseren Umweltsünden und unserer Gier zusammen. Gezeigt wird ein industrieller Imker, der seine Völker an Plantagenbesitzer ausleiht und seine Stöcke kreuz und quer durch die Staaten fährt. Wenn es in den Bäumen summt und der Sprühwagen mit dem Fungizid vorbeikommt, kann er nur hoffen, dass es nicht allzu viele seiner Bienen erwischt. Vergeblich: Das Zeug bleibt in den Härchen der Biene hängen; wenn sie nicht an Ort und Stelle stirbt, trägt sie das Gift in den Stock. Der Reisestress ist groß, ohne Antibiotika wären die Bienen nicht lebensfähig.
Das zu sehen tut dem Zuschauer weh. In Mittelamerika sind unterdes Killerbienen entstanden, die man nur noch mit der Unerschrockenheit eines Cowboys halten kann. Diese neue Rasse wäre durchaus in der Lage, sich mit denen anzulegen, die ihre Spezies mit dem Aussterben bedrohen. Man kann sie nach diesem Film nur allzu gut verstehen.

More Than Honey Schweiz/ Dtl. 2012. Buch & Regie: Markus Imhoof, Kamera: Jörg Jeshel. 90 Min., Farbe. FSK o. A.