Potsdam - Lothar Dräger, Schöpfer der Abrafaxe in der Comiczeitschrift Mosaik, ist tot. Er ist am 9. Juli im Alter von 89 Jahren in Potsdam gestorben, teilte der Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag am Donnerstag in Berlin mit. Dräger hatte zunächst als Text- und Ideenmitarbeiter beim Mosaik gearbeitet. Von 1976 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1990 war er künstlerischer Leiter. Mit „seiner klassischen Bildung und seinem enzyklopädischen Wissen, gepaart mit urwüchsigem Humor, prägte Dräger seit den Fünfzigern als Dramaturg und Texter das Bild des Comics“, würdigte der Verlag seine Verdienste in einem Nachruf.

Zum Comic kam er auf Umwegen. Der am 19. Januar 1927 in der Nähe von Stettin geborene Dräger war ursprünglich Opernsänger, er studierte ab 1947 erst am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in West-Berlin und nahm anschließend ein Studium im Fach „Opernschule“ an der Hochschule für Musik in Ost-Berlin auf. Seine Engagements führten ihn über die Bühne der Stadt Nordhausen zum Hans-Otto-Theater in Potsdam. Hier kam es allerdings zu Streitigkeiten, weshalb Dräger sich 1957 kurzerhand beim Mosaik bewarb.

Dig, Dag und Digedag

Er kam zur rechten Zeit, denn um 1950 hatten die DDR-Oberen nach einer sozialistischen Antwort auf West-Comics wie „Micky Maus“ gesucht. Am 23. Dezember 1955 war das erste Mosaik erschienen – mit den drei Helden Dig, Dag und Digedag, geschaffen vom Grafiker Hannes Hegen (1925–2014). Der erkannte das erzählerische Talent Drägers und stellte ihn ein. Tatsächlich erweiterte Dräger mit seiner klassischen Bildung das thematische Spektrum der Digedags erheblich. Nach einem Streit um die politische Ausrichtung des Heftes stieg Hegen 1975 aus. Doch Dräger hatte mit den Mosaik-Zeichnern heimlich an neuen Figuren gearbeitet, den Abrafaxen: 1976 erschienen Abrax, Brabax und Califax als Nachfolger der Digedags.

„Was blieb mir übrig“, sagte Dräger rückblickend, „hätte ich das nicht getan, wäre das Mosaik vielleicht gestorben.“ Ein unerfreuliches Kapitel, denn Hegen hat Dräger den „Verrat“ bis zum Schluss nicht verziehen. Für ihn waren die Abrafaxe ein Plagiat der Digedags, weshalb er sogar vor Gericht ging, um sie verbieten zu lassen – ohne Erfolg. Dräger schickte vor einigen Jahren einen Versöhnungs-Brief, um die Feindschaft zu beenden. Hegen antwortete nicht.

Dessen ungeachtet war den neuen Knollen-Nasen-Helden ein langer und großer Erfolg beschieden. Im vergangenen Jahr Jahres feierten die Abrafaxe mit ihrem 480. Abenteuer 40. Geburtstag. Und wenn die Mosaik-Hefte zu DDR-Zeiten stets Mangelware waren, so erreichten sie zuletzt eine Auflage von 70.000 Exemplare im Monat. Überdies gibt es den Comic auch in Österreich, Belgien, Spanien und Italien. (mit dpa)