Rundum enttäuschend, ich möchte fast sagen: auf beklagenswerte Weise hinter allen Erwartungen zurückbleibend verlief am Donnerstagabend das erste größere Berlin-Konzert des gegenwärtig allseits bejubelten Brooklyner Elektropop-Duos MS MR im Berghain. Lizzy Plapinger und Max Hershenow haben bislang eine EP und vor zwei Monaten ihr Debütalbum „Secondhand Rapture“ herausgebracht.

Die darauf zu hörenden Songs kann man sich als die glatt geschliffene, leicht verschlagerisierte Version all jener aktuellen Undergroundstile vorstellen, die man als musikalisch aufgeschlossener Mensch in den letzten beiden Jahren gutzufinden geruhte: Chill Wave, Cold Wave und Dies-und-das-Wave, aber auch Witch House, Neo Goth und Neo Elektro. Wie dort überall, hört man auch bei MS MR sehnsuchtsvoll verhallten Gesang, doomhaften Bodenklangnebel und verschleppte Beats, nur eben in durchweg gemilderter, nicht weiter verstörender Dosis. Man hört aber auch einige sehr schöne schwarzromantische Songs wie das gleichermaßen von Hingabe und Feindseligkeit handelnde „Hurricane“ oder das sonderbar arabisierende „Salty Sweet“ – eine gute, in ihrer Position zwischen Avantgarde und Charts-Pop interessante Platte.

Aber das Konzert, oh je. Auf dem Weg aus dem Brooklyn-Hipster-Kiez und der Popblogosphäre in die weite Welt der Major-Plattenvertrags-Kulturindustrie scheint das Duo irgendwann auf den äußerst dummen Gedanken verfallen zu sein, dass es sich für seine Bühnenauftritte mit einem Schlagzeuger und einem Saiteninstrumentebediener zum Quartett zu erweitern habe. Leider passen die dazugehörigen Instrumente gar nicht zur Musik von MS MR. Vielmehr ruiniert das rappelnde Schlagzeug auch die letzten Reste ihrer romantischen Zartheit; durch die drängende Rhythmussektion im Ganzen wird das Tempo auf sinnlose Weise erhöht. Und so, wie Plapinger und Hershenow sich dazu brünftig anzurocken beginnen, wirken sie plötzlich nicht mehr wie ein cooles Goth-Pop-Pärchen aus Brooklyn, sondern bloß noch wie Rosenstolz.

Passend dazu fällt Paplinger aus dem kühlen Wave-Gesang in ein kehliges Rockgekrächze und wedelt aufdringlich mit den Armen. An der schlimmsten Stelle des Abends lässt das Publikum sich von ihr sogar zum Mitklatschen animieren, so dass sich das Berghain für einen bizarren Moment in ein Bierzelt zu verwandeln scheint. So etwas möchte ich nie, aber auch wirklich nie wieder erleben.