Nachdem in Hamburg Naivität und in Berlin blanke Planungsinkompetenz Konzertsäle zu Millionengräbern geraten ließen, droht nun auch dem musikalischen Leben in München ein Skandal, der zur Abwechslung einmal nicht der allzu offenen Hand des Staates entspringt, sondern populistischem Geiz. Am Montag haben der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bekannt gegeben, dass Stadt und Freistaat gemeinsam den Saal der Münchner Philharmoniker im Kulturzentrum Gasteig umbauen wollen. Damit wäre dessen von Seehofer lange präferierter Abriss zwar vom Tisch, aber auch das neue Konzertgebäude für die Symphoniker des Bayrischen Rundfunks. Dieses wird seit Jahren gefordert, weil die Symphoniker – geleitet von Mariss Jansons und gehandelt als eines der fünf weltbesten Orchester! – für jedes Konzert bei den Philharmonikern antichambrieren müssen, um im Gasteig spielen zu können.

Die einzige Alternative für die jährlich mehr als 130 Abonnementkonzerte der beiden Orchester ist der Herkules-Saal in der Residenz, der zu klein ist und weder architektonisch noch musikalisch befriedigt. Doch auch das Kulturzentrum Gasteig steht seit seiner Eröffnung 1984/85 in der Kritik. Der klobige, mit Ziegeln verkleidete Bau ist labyrinthisch und düster. Die Musiker müssen schon mal auf den Gängen proben. Der Hauptsaal gleicht mit seinen 2 400 Plätzen und vielen Sitzplatzpodien nur auf den ersten Blick dem Saal der Berliner Philharmonie. Denn während dort das Orchester aus dem Zentrum seine Klänge in alle Richtungen ausstrahlt, ist es in München in den spitzen Winkel der etwa tortenstückförmigen Halle gepfercht. Der Versuch, auf diese Weise den klassischen Kastensaal mit frontalem Podium und die Berliner Rundum-Akustik Hans Scharouns miteinander zu kombinieren, schlug fehl. Es gibt regelrechte Hör-Löcher, vor denen versierte Konzertbesucher einander warnen.

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